Pavo, Pferdefutter und Versorgung von Pferden
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Eiweiß im Pferdefutter

Eiweiß wird in der Pferdefütterung als „Rohprotein“, bzw. „Verdauliches Rohprotein“ bezeichnet. Es wird als „Analytische Bestandteile“ und in Zusammenhang mit den Inhaltsstoffen auf den Futtersäcken deklariert. Die Angst vor zu viel Eiweiß in der Fütterung hält sich bei den Pferdebesitzern hartnäckig. Aber eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall. Eiweiß und seine Bausteine, die sogenannten Aminosäuren, sind wichtige Baustoffe für den Körper deines Pferdes. Denn nicht umsonst wird Eiweiß (Protein) als Baustein des Lebens bezeichnet.

Proteine sind in Verbindung mit Wasser der Baustoff für alle Arten von Gewebe im Organismus. Im Gegensatz zu Fetten und Kohlenhydraten kann der Körper Proteine nicht speichern. Deshalb müssen in der täglichen Fütterung immer Eiweiße enthalten sein. Eine Fütterung mit zu geringem Proteingehalt kann zu großen gesundheitlichen Problemen bei Pferden führen.

Eiweiße ​​werden aus Aminosäuren hergestellt und es gibt zwei Arten:

  • Essentielle Aminosäuren: diese können vom Körper nicht selbst hergestellt werden und müssen mit der Ernährung zugefüttert werden. Dazu gehören z.B. Lysin, Methionin, Tryptophan, Leucin, Isoleucin, Threoin, Valin, Histidin und Phenylalanin.
  • Nicht-essentielle Aminosäuren: diese können vom Körper selbst hergestellt werden.

Wichtig ist vor allem die Eiweißqualität im Pferdefutter. Wenn Experten über eine niedrige Eiweißqualität im Pferdefutter sprechen, dann ist damit ein geringer Gehalt an essentiellen Aminosäuren gemeint. Leinsamen enthalten z.B. einen geringen Gehalt an essentiellen Aminosäuren. Hingegen hat Soja eine hohe Eiweißqualität, da es viele Proteine mit essentiellen Aminosäuren enthält. Achte daher bei der Fütterung deines Pferdes auf ein Futter mit einer hohen Eiweißqualität.

Wie viel Eiweiß benötigen Pferde?

Grundsätzlich gilt laut wissenschaftlicher Empfehlung: 0,5 bis 1g verdauliches Eiweiß pro Kilogramm Lebendgewicht. Hier ist aber zu berücksichtigen, dass mit steigendem Lebendgewicht, der Eiweißbedarf sinkt, d.h. in diesem Fall braucht ein 600kg schweres Pferd ca. 300g bis 600g Eiweiß.

Globale Richtlinie für Eiweiß bei Pferden

Pferdetypen

Rohprotein insgesamt (inkl. Raufutter)

Pferde, die leichte Arbeit verrichten

5-7%

Sportpferde

10-12%

Junge Pferde & trächtige laktierende Stuten

10-14%

Fohlen & Jährlinge

12-15%

 

Möchten du mehr über den Eiweißgehalt in deinen Futtermitteln wissen, oder hast du eine Frage zu deinem eigenen Pferd oder deren Stallsituation? Dann kontaktiere die Pavo Fütterungsberatung.

Wozu dient Eiweiß aus dem Futter den Pferden?

Das im Futter enthaltene Eiweiß mit seinen Aminosäuren ist verantwortlich für alle lebenswichtigen Funktionen sowie für einen gesunden Muskelaufbau. Daher solltest du eine ausreichende Zufuhr besonders von hochwertigem Eiweiß mit der Fütterung für dein Pferd sicherstellen.

Die Verdauung von Eiweißen beim Pferd:

Eiweiße, bzw. Proteine, werden vom Pferd mit der Nahrung aufgenommen und im Magen durch das eiweißspaltende Enzym „Protease“ wieder in seine einzelnen Bausteine – den Aminosäuren – zerlegt. Die Aufnahme der Aminosäuren in die Blutbahn erfolgt im Dünndarm des Pferdes. Danach gelangen sie in die Leber, wo die Aminosäuren dann in körpereigenes Protein zusammengebaut werden.

Entsorgung der Eiweiß-Abfallstoffe:

Aminosäuren bestehen neben Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff auch aus Stickstoff. Eben dieser Stickstoff muss nach dem Aufbau von Proteinen aus dem Körper entfernt werden, da er keine weitere Verwendung findet und auch nicht der Energiegewinnung dient. Der Stickstoff wird in Harnsäure und in der Leber in Harnstoff umgewandelt. Dieser wird dann schließlich über die Nieren ausgeschieden.

Warum Eiweiß für Pferde so wichtig ist:

Pferde benötigen Eiweiß, um ihre Muskulatur aufzubauen, zu wachsen und sich zu entwickeln. Hierbei hängt die Entwicklung des Gewebes von der Eiweißstruktur ab.

Des Weiteren gehören auch z.B. Keratine, die Hauptbestandteile in Hufen, Haaren und dem Fell, zu den Proteinen. Ein guter Stoffwechsel und ein gesundes Immunsystem sind nur durch eine ausreichende Eiweißzufuhr möglich. Der Körper deines Pferdes benötigt zudem auch für den Aufbau von z.B. Hormonen, Enzymen und Antikörpern entsprechende Aminosäuren. Um nach einer Verletzung dein Pferd bei der Regeneration der Zellstruktur zu unterstützen, ist ebenfalls ein hoher Eiweißgehalt im Futter empfehlenswert.

Eiweiß im Futter dient deinem Pferd somit zur Ausübung folgender Funktionen:

  • Aufbau von Muskel-, Stütz- und Schutzgewebe sowie Enzymen.
  • Für eine gute Leber- und Nierenfunktion.
  • Zur Bildung von Hämoglobin im Blut. Dies ist unter anderem verantwortlich für den Sauerstofftransport im Blut.
  • Für ein gesundes Immunsystem des Körpers, so dass der Entstehung von Immunkrankheiten vorgebeugt, bzw. aktiv entgegengewirkt werden kann.
  • Zur Blutgerinnung. Hierdurch können sich Krusten auf den Wunden bilden, so dass Blutungen gestoppt werden. Diese Krusten sind aus Eiweißen aufgebaut.

Welche Pferde haben einen erhöhten Eiweißbedarf?

Grundsätzlich sollten natürlich alle Pferde bedarfsgerecht ernährt werden. Aber es gibt auch Pferde, die einen höheren Eiweißbedarf haben:

  • Pferde mit einem besonders dicken und/oder langem Haarkleid (z.B. Tinker, Isländer oder Norweger) benötigen MEHR Eiweiß, denn Haare bestehen hauptsächlich aus Aminosäuren.
  • Wenn dein Pferd unter Hautproblemen wie z.B. Sommerekzem leidet, sollte es möglichst eiweißreich ernährt werden, denn um geschädigte Hautstrukturen wieder reparieren zu können, benötigt der Körper entsprechende Aminosäuren.
  • Bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen (z.B. EMS oder PPID) sollte dein Pferd ebenfalls nicht zu knapp mit Eiweiß versorgt werden.
  • Wenn dein Pferd von einer Hufrehe betroffen ist. Hufrehe gefährdete Pferde sollten zucker- und stärkearm ernährt werden. Die Energie- und Nährstoffquelle sollte somit neben hochwertigen Fetten ebenfalls aus hochwertigen Proteinen bestehen. Außerdem benötigt die „Reparatur“ der geschädigten Hufe eine ausreichende Versorgung essentieller Aminosäuren.
  • Bei zu dicken Pferden solltest du im Rahmen des Diätplans mit einer energiearmen Fütterung jedoch auf ausreichend Eiweiß achten. Enthält das Futter zu wenig Eiweiß, so kann dies zum Abbau der Muskulatur führen. Vermeide jedoch gerade beim Abnehmen deines Pferdes einen Muskelabbau.
  • Pferde, die Muskulatur aufbauen sollen, eine hohe Leistung erbringen müssen oder sich noch im Wachstum befinden, haben einen erhöhten Eiweißbedarf.
  • Hochträchtige und laktierende Stuten haben ebenfalls einen erhöhen Eiweißbedarf.
  • Ältere Pferde leiden vermehrt an Stoffwechselerkrankungen wie PPID (Cushing), was eine zucker- und stärkearme Fütterung zur Folge hat. Aber auch Zahnprobleme oder eine verschlechterte Verdauung können bei älteren Pferden dafür sorgen, dass das Futter nicht mehr ausreichend aufgenommen und verwertet werden kann. Daher ist neben einer gesicherten Energiezufuhr auch eine ausreichende Proteinaufnahme wichtig, um den Senior lange fit und vital zu halten. Schenke deshalb der Fütterung von älteren Pferden besondere Beachtung.

Welche zusätzlichen Eiweißquellen kannst du deinem Pferd anbieten?

Es ist wichtig, sich die Futterration deines Pferdes einmal genau anzusehen. Dazu gehört: Was und wieviel wird gefüttert? Wie viel Raufutter bekommt dein Pferd und wann wurde das Heu geerntet?

Tipp: Lasse dein Heu durch eine individuelle Heuanalyse den Gehalt an dünndarmverdaulichem Eiweiß ermitteln. So kann eine gute und gesunde Versorgung deines Pferdes korrekt berechnet werden. Der Wert zeigt dir dann auch, wie viel Eiweiß tatsächlich noch über ergänzende Futtermittel beigefüttert werden muss. Dies gilt insbesondere für Pferde mit einem erhöhten Proteinbedarf.

Pavo bietet vor allem für diese Pferdetypen mit dem Müsli TopSport ein Ergänzungsfuttermittel an, das mit 18% verdaulichem Rohprotein den Muskelaufbau optimal unterstützt.

Empfehlenswert ist auch die Beigabe von Sojaschrot. Dieser liefert mit 180g essenziellen Aminosäuren pro Kilogramm besonders viel hochwertiges Protein. Auch Leinsamen, Luzerne und Bierhefe enthalten Eiweißquellen.

Welche Konsequenzen hat ein Eiweißüberschuss in der Pferdefütterung?

Wenn das aufgenommene Eiweiß nicht als Baustoff verwendet wird, kann Ihr Pferd dies auch in geringem Maße als Energiequelle verwenden. Dies ist jedoch nicht besonders effizient. Ein Eiweißüberschuss muss vom Körper wieder abgebaut werden – hierbei entsteht Harnstoff, welcher ausgeschieden wird. Betroffen sind dann die sogenannten Harnorgane wie Leber und Nieren. Ein Überangebot an Eiweiß sorgt somit zwangsläufig für eine Überbelastung der Leber und Nieren, was wiederum zu Problemen führen kann. Lese hierzu auch unsere Ratgeber „Lebererkrankungen bei Pferden“ und „chronische Nierenerkrankungen bei Pferden“.

Zudem ist eine erhöhte Dosis von Eiweiß in der Fütterung nicht gut, weil:

  • das Pferd zu viel trinkt, da der Bedarf nach Flüssigkeit stark ansteigt.
  • der Gehalt von Harnstoff im Blut und im Darm steigt, was Durchfall verursachen kann.
  • der Ammoniakspiegel im Blut ansteigt, was zu Nervosität und Störungen im Kohlenhydratstoffwechsel führen kann.
  • das Pferd häufiger Wasser lässt. Das freigesetzte Ammoniak kann dann in weniger belüfteten Ställen zu Atembeschwerden führen.

Alles in allem ist ein „zu viel“ eine Belastung für den Körper. Das Ziel einer bedarfsgerechten Fütterung sollte eine ausgewogene Balance von Eiweiß im Futter sein, damit die Bedürfnisse deines Pferdes optimal erfüllt werden können.

Ist auch ein Eiweißmangel möglich?

Pferde können auch einen Eiweißmangel haben, vor allem Pferde, die grundsätzlich einen erhöhten Bedarf haben. Allerdings kommt ein Eiweißmangel in der heutigen Fütterung deutlich seltener vor als ein Eiweißüberschuss in Folge von „Überfütterung“ der Pferde. Lediglich durch eine reine Strohfütterung, wenig bis keinen Weidegang sowie einer Fütterung von zu wenig Heu oder Heu mit niedriger Qualität kann einen Eiweißmangel hervorrufen. Auch zu spät geerntetes oder zu lange gelagertes Heu kann einen niedrigeren Proteingehalt aufweisen. Die größere Gefahr besteht auch darin, Pferde mit einer minderwertigen Eiweißqualität im Futter zu versorgen.

Wenn jedoch tatsächlich ein Eiweißmangel vorliegt, so würde dieser zur Verminderung der körperlichen und geistigen Leistungsfähigkeit sowie einem Muskelabbau führen. Bei Jungpferden könnte eine entsprechende Unterversorgung auch zu Wachstumsstörungen führen.

Wichtig zu wissen: Ein niedriger Eiweißgehalt im Blut muss keineswegs ein Anzeichen für Eiweißmangel sein. Dies kann auch auf eine mangelhafte körpereigene Eiweißproduktion der Leber hinweisen. Berate dich hier am besten mit deinem Tierarzt.

Es ist für jeden Pferdebesitzer eine große Herausforderung, bei der Pferdefütterung zwischen Eiweißmenge und -qualität zu unterscheiden und das Eiweiß dem Alter und der sportlichen Betätigung des Pferdes anzupassen.

 

 

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