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Natürliche und artgerechte Pferdefütterung

Wenn wir an Wildpferde denken, sehen wir schnell große Herden und eine riesige Freiheit vor uns. In der freien Wildbahn wird die Fütterung nicht von Menschenhand beeinflusst, sondern die Pferde sind selbst dafür verantwortlich, ihren täglichen Bedarf an Energie und Nährstoffen zu decken. Vor allem die Artenvielfalt der Natur sowie die Saisonalität prägen den Speiseplan der Wildpferde: wildes Moos, Gras, Flechten oder Kräuter gehören bevorzugt auf ihren Speiseplan.

Heutzutage gibt es echte, völlig wildlebende Pferde in der freien Natur nur noch selten. Wir Menschen haben die besonderen Eigenschaften der Pferde erkannt und sie im Laufe der Zeit domestiziert. So wurden Pferde Arbeitstiere, Lastentiere und schließlich wertvolle Freunde und Freizeitbegleiter. Auch die Fütterung veränderte sich, denn während Arbeitstiere viel schnell verfügbare Energie brauchten, benötigen unsere Freizeitbegleiter heute oft weniger Energie. Der Bedarf an Raufutter sowie Vitaminen und Mineralstoffen ist aber nahezu gleich geblieben. Wie sieht denn dann eine artgerechte und natürliche Fütterung in der heutigen Zeit aus und wie kannst du diese am besten an die Bedürfnisse und Lebensumstände deines Pferdes anpassen?

Der Speiseplan – was du von Wildpferden über eine natürliche Fütterung lernen kannst

Die Domestizierung der Pferde änderte zwar ihre Lebensweise, aber eine wichtige Tatsache veränderte sich nicht: die Verdauungsphysiologie des Pferdes. Dein Pferd hat heute noch fast 1 zu 1 den gleichen Verdauungsmechanismus wie seine freilebenden Vorfahren.

Wenn du deinem Pferd also eine selbstständige Futtersuche ermöglichen würdest, sähe sein Speiseplan ähnlich wie der eines Wildpferdes aus. Die Ernährung wäre demnach sehr artenvielfältig und dein Pferd würde seinen täglichen Bedarf durch eine genaue Selektion decken. Wildpferde wissen auch instinktiv, was sie fressen dürfen und was nicht und machen daher z.B. um Giftpflanzen in der Regel immer einen großen Bogen.

Je nach Lebensraum und Jahreszeit unterscheidet sich die Futterzusammenstellung, aber strukturreiches Futter wie Gräser, Flechten, getrocknetes Gras oder Blätter bilden immer die Grundlage. Bis zu 18 Stunden am Tag ziehen die Wildpferde von Futterstelle zu Futterstelle und sind somit fast den ganzen Tag mit der Nahrungssuche und dem Kauen beschäftigt – das ist das natürlichste Fressverhalten der Pferde. Auch Kräuter, die vereinzelt zwischen dem wilden Gras wachsen, sind wichtige Nährstoffquellen für Wildpferde. Obst, Gemüse oder andere stärke- und zuckerreiche Nahrungsmittel sind für Wildpferde nur Glücksfälle, die daher nur sehr selten auf dem Speiseplan stehen.

Die kälteren Monate bilden noch eine Besonderheit: Frost & Schnee erschweren erheblich die Nahrungssuche sowie das Nahrungsangebot. Damit es zu keinem Energie- und Nährstoffmangel kommt, suchen die Wildpferde in den Monaten kurz vor dem Winter besonders nährstoff- und energiereiche Gräser und Kräuter, um so ihren „Winterspeck“ anzusetzen. Diese zusätzlichen Fettpolster sind wichtige Reserven während der harten Winter. Bis zum Frühling sind die Fettreserven dann wieder verbraucht. Ein ganzjähriges Übergewicht ist daher in der freien Wildbahn fast vollkommen unbekannt.

Es ist demnach der Natur entsprechend und auch wichtig für den gesunden Stoffwechsel, wenn dein Pferd über den Winter etwas abnimmt, um dann „leicht rippig“ wieder in den Frühling zu starten.

Wie sich die Fütterung von Pferden im Laufe der Jahre verändert hat

Vor tausenden von Jahren fingen Menschen damit an, die Kraft der wilden Pferde zu schätzen und sie zu zähmen. Sie wurden vor Kutschen gespannt oder waren Helfer auf dem Acker. Auch zu dieser Zeit waren Gras und Heu die Grundnahrungsmittel für Pferde. Ihr hoher Energiebedarf wurde vor allem durch Hafer (oder auch andere Getreidesorten) gedeckt. Vorteil von Hafer ist der hohe Energiewert, der dem Pferd schnell zur Verfügung steht, da die enthaltene Stärke leichter verdaulich ist.

Die Rolle des Pferdes änderte sich während der Industrialisierung. Maschinen und Motoren ersetzten die meisten ihrer Aufgaben. Dennoch konnten wir Menschen nicht auf das Zusammenleben mit unseren Pferden verzichten. Daher sind Pferde heutzutage nur noch selten „echte“ Arbeitstiere, sondern vor allem wichtige Freizeitbegleiter, Sportpartner und Freunde. Auch das Wissen über das Verdauungssystem des Pferdes ist heute deutlich ausgeprägter als früher.

Besonders eine naturbelassene Fütterung angepasst an den tatsächlichen Energiebedarf unterstützt optimal die Gesundheit deines Pferdes und kommt dem Speiseplan in der freien Wildbahn am nächsten.

Was steht dir heute zur Fütterung deines Pferdes zur Verfügung?

  • Weide

Das natürlichste Futtermittel für dein Pferd ist das frische Gras auf einer gut gepflegten Pferdeweide. Zwar sind unsere Pferdeweiden vielleicht nicht ganz so artenreich wie die weiten Wiesen und Steppen in der freien Wildbahn, aber dennoch kommen sie dem Speiseplan der Wildpferde sehr nahe. Auf einigen Weiden finden sich sogar vereinzelte Kräuter und Pflanzen für eine ganz besondere Nährstoffzufuhr. Überprüfe deine Pferdeweide dennoch regelmäßig auf die bekannten Giftpflanzen. Zwar schlummert in jedem Pferd immer noch ein Wildpferd, aber die Instinkte, giftige Pflanzen zu selektieren, sind nicht mehr so ausgeprägt wie früher.

Weidegras ist zudem ein „unerschöpfliches“ Futtermittel. Bei einer guten Pflege kannst du deinem Pferd fast das gesamte Jahr über genügend Weidegras bieten.

Zwar ist der Wasser- und Vitamingehalt im Weidegras vorteilhaft, dafür ist aber das Risiko eines zu hohen Fruktangehaltes (besonders in den kälteren und sonnigen Monaten) größer. Fruktan in zu großen Mengen belastet die Verdauung und kann die Entstehung von Stoffwechselerkrankungen wie Durchfall, Diabetes, Hufrehe, EMS oder Cushing begünstigen. Auch wird durch Fruktan bereits viel Energie aufgenommen. Fehlt die entsprechende Bewegung, kann es schnell zu Übergewicht kommen.

  • Raufutter

Raufutter ist das wichtigste Futtermittel für dein Pferd und unterstützt eine gesunde Verdauung. Der hohe Rohfaseranteil sorgt für ausgiebiges Kauen, fördert den Speichelfluss und verlängert die Fresszeiten. Auch die Darmbakterien benötigen die faserreichen Ballaststoffe für ihr Wachstum und ihre Aktivität. Raufutter zählt somit zu dem Grund- und Hauptfuttermittel für dein Pferd, an dem du niemals sparen solltest: die tägliche Fütterung sollte zu rund 70% bis 100% aus Raufutter bestehen.

Achte hierbei auf gutes und qualitativ hochwertiges Heu. Bist du dir nicht sicher, ob dein Raufutter hochwertig ist und dein Pferd optimal versorgt? Dann führe doch schnell, einfach und günstig den Pavo Raufutter-Schnelltest durch. Ist dein Heu nicht optimal oder in ausreichender Menge für dein Pferd verfügbar? Dann ist es durchaus empfehlenswert, zusätzlich Raufutterersatzprodukte zu füttern, damit du den täglichen Bedarf deines Pferdes an Raufutter decken kannst.

Neben klassischem Heu eignet sich auch Heulage zur Raufutter-Fütterung. Dies ist vor allem empfehlenswert, wenn dein Pferd Allergiker ist oder Atemwegsprobleme hat.

  • Kraftfutter

Kraftfutter kannst du deinem Pferd entweder als Pellets oder Müsli beifüttern. Es bietet vor allem eine wertvolle Ergänzung für Pferde, die ihren Energie- und Nährstoffbedarf über Raufutter allein nicht ausreichend decken können, wie es z.B. oft bei Sportpferden, Zuchtstuten oder Fohlen/Absetzern der Fall ist.

Berücksichtige bei der Kraftfutter-Auswahl den tatsächlichen Energiebedarf deines Pferdes und verteile die Tagesration auf mehrere kleinere Portionen. Zu viel Kraftfutter belastet nicht nur die Verdauung deines Pferdes, sondern führt auch schnell zu Übergewicht.

  • Mineralfutter

Pferde in der freien Wildbahn nehmen ihren Tagesbedarf an Vitalstoffen über das vielfältige Futterangebot von Moos, Flechten und Kräutern auf. Dies ist heute aufgrund dem begrenzten Weidegang und der geringen Artenvielfalt des Grases nicht mehr gewährleistet, so dass du dein Pferd unterstützen solltest. Wenn dein Pferd also ausschließlich Raufutter oder sehr wenig bis gar kein mineralisiertes Kraftfutter bekommt, ist eine Ergänzung wichtig. Ein vollwertiges Mineralfutter versorgt dein Pferd mit allen Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen, die es täglich braucht.

Für welchen Pferdetypen ist welche Fütterungsweise ideal?

Welche Fütterung zu deinem Pferd am besten passt, hängt auch davon ab, welchen Bedarf dein Pferd hat, wie es gehalten wird und welche Leistungen es erbringen muss. Wird dein Pferd wenig bewegt oder ist es ein Sportpferd? Wird es im Offenstall gehalten oder steht es überwiegend in der Box? Ist dein Pferd noch jung und aktiv oder bereits ein Senior? Das alles können Faktoren sein, die eine artgerechte Fütterung beeinflussen.

Nur eine sehr wichtige Tatsache bleibt bei jeder Haltungs- und Trainingsform gleich: Raufutter ist immer die Grundlage und sollte bei einer natürlichen und artgerechten Fütterung 70% bis 100% ausmachen, d.h. dein Pferd benötigt 1,5% bis 2,0% seines Körpergewichts an Raufutter (Trockenmasse). Bekommt dein Pferd nur Raufutter und kein oder nur sehr wenig Kraftfutter, ist eine Ergänzung des Raufutters mit einem vollwertigen Mineralfutter empfehlenswert. Ob dein Pferd zusätzlich ein Kraftfutter benötigt, hängt dann von seinem Bedarf ab. Die Zugabe eines Mineralfutters kann entfallen, wenn dein Pferd ein mineralisiertes Kraftfutter gemäß Fütterungsempfehlung bekommt.

Auch die Art, wie du Futter anbietest, ist entscheidend. Die Fütterung in Bodennähe sorgt für eine natürliche Körperhaltung. Das Ganze kannst du noch optimieren, indem du deinem Pferd die Möglichkeit bietest, sein Futter „in Bewegung“ zu fressen. Ideale Umstände bietet hier natürlich die Weidehaltung. Aber auch bei begrenztem Weidegang kannst du den Bewegungsdrang deines Pferdes positiv beeinflussen, indem du durch verschiedene Futterstellen und einer Trennung von Wasserstelle und Raufutter für lange Laufwege sorgst. Vermeide außerdem lange Fresspausen (mehr als 4 Stunden). Idealerweise hat dein Pferd den ganzen Tag Zugang zu Raufutter. Zu lange Fresspausen mit zu wenig Raufutter sowie Bewegung auf leerem Magen fördern die Entstehung von Magengeschwüren.

Boxenhaltung vs. Offenstallhaltung

Pferde in Boxenhaltung

Wenn dein Pferd wenig oder sogar gar keinen Weide- oder Paddockgang hat, steht neben einer artgerechten Fütterung vor allem auch die Beschäftigung im Mittelpunkt. Pferde sind Lauftiere und haben somit, vor allem bei der Futteraufnahme, einen instinktiven Bewegungsdrang. Wird dieser nicht ausreichend gestillt, kann es schnell zu Verhaltensstörungen im Stall kommen. Sorge daher dafür, dass dein Pferd idealerweise rund um die Uhr Raufutter fressen kann – und somit in seiner natürlichsten Form beschäftigt wird. Je strukturreicher das Rau- und Zusatzfutter ist, desto besser – denn das verlängert die Fresszeiten und bietet deinem Pferd auch in der Box wichtige Beschäftigung. Die Fresszeiten kannst du auch mit ein paar ganz einfachen Tricks verlängern: verwende für das Raufutter engmaschige Heunetze, verwöhne dein Pferd hin und wieder mit gesunden Raufuttersnacks, vermenge dein normales Kraftfutter mit Kräutern oder rohfaserhaltigen Futtersorten und verteile das Raufutter – je nach Boxengröße – an verschiedenen Stellen in der Box. Dein Pferd benötigt kein Kraftfutter, ist aber neidisch, wenn die anderen Pferde im Stall gefüttert werden? Dann gönne ihm doch eine Portion energiearmes, aber rohfaserhaltiges Kräutermüsli. Hiervon benötigst du nur eine geringe Menge bei dennoch langer Fresszeit. Wenn ein Freigang nicht oder nur eingeschränkt möglich ist, dann laste dein Pferd am besten täglich körperlich und/oder mental aus, indem du dich intensiv und abwechslungsreich mit ihm beschäftigst. Da darf es mal Longieren, Freilaufen in der Halle, Bodenarbeit, Dressurarbeit, der Ausritt in den Wald oder einfach mal das volle Wellness-Verwöhn-Programm sein – deiner Kreativität sind hier keine Grenzen gesetzt.

Pferde in Offenstall- oder Weidehaltung

Die Weidehaltung ist für dein Pferd sehr ursprünglich und natürlich. Es hat 24-Stunden Zugang zu Futter, viel Bewegung im Freien und eine Auswahl an verschiedenen Futter- und Wasserstellen. Achte bei einem dauerhaften Weidegang nur darauf, dass dein Pferd nicht zu viel Zucker aufnimmt oder übergewichtig wird. Beides kann die Entstehung von Stoffwechselerkrankungen wie Hufrehe, EMS, Diabetes und Cushing begünstigen. Sollte dein Pferd also Probleme mit einem 24-Stunden-Weidegang bekommen, solltest du diesen besser begrenzen. Falls das in der Herde schwierig umsetzbar ist, probiere doch einfach einmal aus, wie sich dein Pferd mit einem Maulkorb anstellt. Ist das Grasangebot begrenzt, ergänze dieses mit Raufutter. Ein Pferd hat immer einen Bedarf von 1,5% bis 2,0% seines Körpergewichts an Raufutter (Trockenmasse)! In jedem Fall ist eine Mineralisierung auch bei einer reinen Weidehaltung mit scheinbar sattgrünem Gras erforderlich, um den täglichen Bedarf deines Pferdes an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen zu decken. Kraftfutter ist nur erforderlich, wenn dein Pferd zusätzliche Energie benötigt, weil es z.B. viel gearbeitet wird.

Freizeitpferde vs. Sportpferde

Freizeitpferde

Eine ausgewogene Grundfütterung von Gras, Heu, Raufutterersatzprodukten bei Bedarf und der entsprechenden Mineralisierung ist bei den meisten Freizeitpferden bereits ausreichend, um ihren täglichen Bedarf vollständig zu decken. Sorge dafür, dass dein Pferd immer Zugang zu Raufutter hat oder verteile die Rationen gleichmäßig über den Tag. Vermeide in jedem Fall Fresspausen länger als 4 Stunden. Kraftfutter ist nur notwendig und sinnvoll, wenn dein Pferd zusätzliche Nährstoffe und Energie benötigt. Das kann z.B. zum Konditionserhalt bei alten Pferden oder zum Erhalt der Muskulatur während des Abnehmens der Fall sein. Achte bei der Auswahl des Kraftfutters auf einen niedrigen Zucker- und Stärkegehalt, wie es oft auch bei Kräutermüslis der Fall ist.

Sportpferde

Sportpferde sind wirkliche Hochleistungssportler. Genau deshalb benötigen sie auch viel Energie in der Vorbereitung, während dem Training und in der Turniersaison. Auch bei Sportpferden sollte die Grundfütterung aus Raufutter bestehen. Dies unterstützt eine gesunde Verdauung und fördert die Ausgeglichenheit deines Pferdes. Aufgrund des hohen Energiebedarfs von Sportpferden, ist eine reine Raufutter-Fütterung in der Regel nicht ausreichend, um diesen Bedarf zu decken. Damit dein Pferd Spitzenleistungen erbringen kann, ist dann eine Ergänzung mit Kraftfutter für Sportpferde empfehlenswert.

Hast du noch Fragen oder bist dir unsicher, wie du für dein Pferd die Fütterung so natürlich und artgerecht wie möglich gestalten kannst? Dann lasse dich doch ganz unverbindlich von unseren Pavo Fütterungsexperten beraten. Wir unterstützen dich gern bei der idealen Zusammenstellung des Speiseplans für dein Pferd.


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