Extreme Trockenheit auf der Pferdeweide: Was jetzt zu tun ist
Ist deine Pferdeweide nach einer langen Trockenperiode gelb, braun oder scheinbar abgestorben? Das bedeutet nicht automatisch, dass die Grasnarbe verloren ist. Viele Gräser überleben selbst extreme Hitze im Wurzelsystem und können sich nach Regen wieder erholen. Mit diesem Schritt-für-Schritt-Plan erfährst du, wie du den Zustand deiner Weide beurteilst und welche Maßnahmen jetzt sinnvoll sind.
Warum Trockenheit Pferdeweiden so stark belastet
Unter extrem trockenen und heißen Bedingungen schaltet Gras in einen Überlebensmodus. Die Pflanze investiert ihre Energie vor allem in das Wurzelsystem, um lebenswichtige Funktionen aufrechtzuerhalten. Dadurch erscheinen die oberirdischen Pflanzenteile oft gelb oder braun.
Wichtig zu wissen: Eine vertrocknet wirkende Weide ist nicht automatisch abgestorben. Häufig leben die Wurzeln weiter und können nach ausreichenden Niederschlägen erneut austreiben.
Schritt 1: Prüfe, ob sich das Gras noch erholen kann
Die Überlebenschancen des Grases sind gering, wenn:
- die Pflanze braun ist und sich leicht zerbröseln lässt
- die Pflanzenbasis unter den abgestorbenen Blättern nicht mehr grün ist
- die Wurzeln holzig und nicht mehr weiß sind
- die obere Bodenschicht vollständig ausgetrocknet ist
Praktischer Test
Stich ein Stück Gras inklusive Wurzeln aus und stelle es in einen Eimer mit Wasser, sodass die Wurzeln im Wasser stehen.
Beobachte die Pflanze zwei Tage lang. Zeigt sich neues Wachstum oder werden Pflanzenteile wieder grün, bestehen gute Chancen auf eine natürliche Regeneration der Weide.
Quelle: Eurofins Agro
Schritt 2: Wie groß ist der Anteil guter Gräser?
Nach der Bestandsaufnahme kannst du entscheiden, ob deine Weide erhalten, wiederhergestellt oder erneuert werden sollte.
| Anteil guter Gräser | Maßnahme |
| Mehr als 80 % | Bestand erhalten bei Bedarf ca. 20 kg/ha nachsäen |
| 60 bis 80 % | Bestand wiederherstellen ca. 40 kg/ha nachsäen |
| Unter 60 % | Bodenstruktur prüfen und gegebenenfalls Weide erneuern |
Liegt zusätzlich eine starke Bodenverdichtung vor oder besteht ein hoher Anteil unerwünschter Gräser wie Quecke, kann eine vollständige Erneuerung sinnvoll sein.

Schritt 3: Nach Regen nicht sofort wieder intensiv beweiden
Nach längerer Trockenheit kann sich die Weide nach Regen überraschend schnell erholen. Besonders nährstoffreiche Böden fördern ein rasches Wachstum.
Dabei kann der Gehalt leicht verfügbarer Kohlenhydrate im jungen Gras ansteigen. Die Pflanze nutzt hierfür Energiereserven, die während der Trockenperiode in den Wurzeln gespeichert wurden.
Für empfindliche Pferde, beispielsweise bei Insulinresistenz oder PPID (Cushing-Syndrom), kann dies problematisch sein. Ein hoher Zuckergehalt im Gras erhöht das Risiko für Stoffwechselprobleme und Hufrehe.
Empfehlung
Warte nach ergiebigen Niederschlägen mindestens eine Woche, bevor du deine Pferde wieder normal auf die Weide lässt.
Schritt 4: Nährstoffversorgung der Weide überprüfen
Damit sich eine geschwächte Weide regenerieren kann, benötigt sie ausreichend Nährstoffe.
Wurde im Frühjahr nur sparsam gedüngt, kann eine zusätzliche Düngung nach einsetzenden Niederschlägen sinnvoll sein. Insbesondere im Zeitraum von August bis Oktober besitzen viele Gräser noch ein hohes Wachstumspotenzial.
Pferdeweidedünger mit kontrollierter Nährstofffreisetzung bieten den Vorteil, dass Stickstoff über einen längeren Zeitraum verfügbar bleibt. Dadurch wird ein gleichmäßigeres Wachstum der Grasnarbe unterstützt.
Produkttipp: Hier kann Pavo FieldCare eingesetzt werden. Der Dünger wurde speziell für Pferdeweiden entwickelt. Die enthaltene Stickstoffverbindung wird langsam über einen Zeitraum von zwei bis drei Monaten freigesetzt.
Schritt 5: Wann sollte eine Pferdeweide nachgesät werden?
Kann sich die Grasnarbe nicht ausreichend regenerieren, ist eine Nachsaat oder Neuansaat notwendig.
- Der Herbst gilt als idealer Zeitpunkt, da:
- häufig ausreichend Bodenfeuchtigkeit vorhanden ist
- die Temperaturen für die Keimung günstig sind
- viele Unkräuter weniger konkurrenzstark wachsen
Für Pferdeweiden sollten ausschließlich Saatmischungen verwendet werden, die speziell für die Anforderungen von Pferden entwickelt wurden.
Produkttipp: Verwende dabei immer eine Saatmischung, die für Pferdeweiden vorgesehen ist, beispielsweise Pavo GrassSeed, und vermeide Saatmischungen für Rinderweiden.
Orientierung
- Mehr als 80 % gute Gräser: leichte Nachsaat bei Bedarf
- 60 bis 80 % gute Gräser: gezielte Nachsaat zur Wiederherstellung
- Weniger als 60 % gute Gräser: umfassende Sanierung oder Neuansaat prüfen
Schritt 6: Ausreichend Raufutter sicherstellen
Während Trockenperioden wächst oft kaum noch verwertbares Gras. Dadurch nehmen Pferde weniger Rohfaser auf und grasen die verbleibenden Pflanzen sehr kurz ab.
Das kann mehrere Folgen haben:
- unzureichende Raufutteraufnahme
- erhöhte Sandaufnahme
- steigendes Risiko für Sandkoliken
- stärkere Schädigung der Grasnarbe
Biete deshalb rechtzeitig ausreichend Heu oder geeignete Raufutteralternativen an.
Wenn möglich, sollten Pferde regelmäßig auf andere Weideabschnitte umgestellt werden, damit vorhandenes Gras nicht zu kurz abgefressen wird.
FAQ: Trockenheit auf der Pferdeweide
Kann sich eine komplett braune Pferdeweide wieder erholen?
Ja. Oft überleben die Wurzeln auch dann, wenn die oberirdischen Pflanzenteile abgestorben wirken. Ob eine Regeneration möglich ist, lässt sich durch eine Bestandsprüfung oder den Eimertest feststellen.
Warum ist junges Gras nach Regen problematisch?
Nach längeren Trockenperioden kann junges Gras hohe Mengen leicht verfügbarer Kohlenhydrate enthalten. Empfindliche Pferde sollten deshalb nicht sofort wieder unbegrenzt weiden.
Wann sollte eine Pferdeweide nachgesät werden?
Der Herbst ist meist der beste Zeitpunkt für Nachsaaten, da die Bodenfeuchtigkeit zunimmt und viele Unkräuter weniger konkurrenzstark sind.
Sollte ich während einer Trockenperiode Heu zufüttern?
Ja. Reicht das Grasangebot nicht mehr aus, sollte zusätzlich Heu oder eine geeignete Raufutteralternative gefüttert werden.






