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Die Muskulatur bei Pferden

Ein Pferd besitzt ungefähr 520 verschiedene Muskeln und etwa 40 % der Gesamtmasse des Pferdes besteht aus Muskelmasse. Die Muskulatur ist verantwortlich für die Kraft beim Springen, den Antrieb beim Galoppieren, die Ausdauer auf langen Strecken und für die Feinmotorik während der Dressur. Die Hauptaufgabe der Muskeln ist also ganz einfach: Bewegung.

Die Muskeln werden in 3 verschiedene Muskeltypen eingeteilt:

  1. Glatte Muskeln sind die Muskeln, die nicht aktiv kontrolliert werden können. Sie sind für die inneren Organe zuständig und sorgen unter anderem für die Bewegung im Verdauungstrakt.
  2. Herzmuskel, welcher den größten Teil der Wand des Herzens bildet. Der Herzmuskel ist der wichtigste Muskel im Körper von Säugetieren und ist der Motor des Kreislaufes. Man kann ihn aber, ebenso wie die glatten Muskeln, nicht kontrollieren.
  3. Skelettmuskeln sind für die willkürlichen und aktiven Körperbewegungen zuständig. Dazu gehören z.B. die Bein- und die Halsmuskulatur. Sie werden auch als „aktiver Bewegungsapparat“ bezeichnet. Durch die Kontraktion, also das Zusammenziehen der Skelettmuskeln entsteht eine Bewegung. Sie dienen dazu, den Pferdekörper zu stabilisieren, die Körperteile zu bewegen und zusätzlich auch, um den Körper zu wärmen. Dieser Muskeltyp sollte aktiv und regelmäßig bewegt, bzw. trainiert werden.

Der Aufbau eines Skelettmuskels:

Alle Skelettmuskeln haben einen Ursprung, welcher der Körpermitte zugewandt ist, einen Bauch, der sehr elastisch und gut durchblutet ist, und einen Ansatz, welcher der Körpermitte abgewandt ist. Aus dem Ursprung und dem Ansatz gehen die Sehnen hervor, welche die Übertragung der Muskelbewegung auf die Knochen ermöglichen. Über die Muskeln werden die Sehnen mit Blut versorgt. Mithilfe spezieller Sehnenfasern sind die Sehnen fest am Skelett verankert. Sehnen sind wenig elastisch und dehnbar, können aber große Zugwiderstände aushalten. Die Übergänge der Sehne zum Skelett und zum Muskel sind recht empfindlich. Diese Schwachstelle ist daher bei einer Überanstrengung der Muskulatur besonders verletzungsanfällig.

Ein Muskel besteht zu 75% aus Wasser und zu 25% aus Eiweißen, Fetten und Kohlenhydraten. Im Detail ist ein Muskelstrang aus verschiedenen Schichten mit einzelnen Bausteinen zusammengesetzt. Somit besteht jeder Muskel aus 10 bis 40 Faserbündeln, die sich aus unzählig vielen Muskelfasern zusammensetzen. In den Muskelfasern befindet sich wiederrum eine große Anzahl an Fibrillen. Diese sind dann die kleinsten Bausteine der Muskulatur und bestehen zum größten Teil aus den beiden „Motorproteinen“ Myosin und Aktin. Zusammen bilden Myosin und Aktin die kontraktile Einheit des Muskels, wobei Myosin der Auslöser für das Zusammenziehen der Muskeln ist.

Es gibt 2 verschiedene Typen von Muskelfasern:

Genetisch bedingt unterscheidet sich der Muskelaufbau bei Pferden. Hierdurch ergibt sich ihre besondere Eignung für bestimmte Disziplinen.

Typ I: Rote oder Slow-Fasern

Die Muskelfasern des Typs I sind Muskeln, die sich langsam zusammenziehen und bei gleichbleibender Belastung und ausreichender Sauerstoffversorgung über einen langen Zeitraum konstant und ohne Leistungsverlust aktiv sein können. Darum nennt man diese Fasern auch „Ausdauer-Fasern“. Sie sind für das Ausdauertraining besonders wichtig, so dass dieser Muskeltyp z.B. bei Distanzpferden stark ausgeprägt ist.

Typ II: Weiße oder Fast-Fasern

Die Fasern des Typs II verbrauchen viel Energie und werden in 2 Untergruppen unterteilt.

  1. Die Muskelfasern des Typs IIA sind besonders kraftvoll und besitzen einen hohen Anteil an dem roten Blutfarbstoff Myoglobin. Myoglobin kann viel Sauerstoff aufnehmen, was vor allem für kraftvolle Ausdauerleistungen relevant ist. Dieser Muskelfasertyp ist daher vermehrt bei Pferden zu finden, die über einen längeren Zeitraum maximale Leistung erbringen müssen, wie z.B. bei Vielseitigkeitspferden.
  2. Die Muskelfasern des Typs IIB kontrahieren besonders schnell. Sie kommen vor allem bei kurzen, explosionsartigen Anstrengungen zum Einsatz, wie es z.B. für das schnelle Sprinten auf kurzen Strecken im Rennpferdesport erforderlich ist.

Je nach Rasse unterscheidet sich der Anteil der Muskelfasern in den Muskeln deines Pferdes. Auch das Training kann den prozentualen Anteil der Muskelfasertypen beeinflussen. Wenn du mit deinem Pferd Schnelligkeit und Kraft trainierst, erhöht sich der Anteil des Muskelfasertyps II. Ein langes und kontinuierliches Training wirkt sich hingegen auf den Anteil des Muskelfasertyps I in der Skelettmuskulatur aus.

Die Muskeln werden in 3 verschiedene Tätigkeitsgruppen eingeteilt: Beuger, Strecker und Rotatoren.

Bei jeder Bewegung müssen die Muskeln wie ein Team zusammenarbeiten, denn nur so sind fließende Bewegungsabläufe möglich. Hierbei wird jedem Muskel seine Rolle als Agonist oder Antagonist zugeteilt. Je nach Bewegungsrichtung werden diese Rollen verteilt und getauscht: Wenn dein Pferd sein Bein beugt, ist der Beuger der aktive Muskel (Agonist). Er wird dicker. Der Strecker ist dabei der passive Muskel (Antagonist) und muss sich entspannen, um die Bewegung nicht zu blockieren. Bei der Beinstreckung werden dann die Rollen getauscht: Der Strecker wird zum aktiven Muskel (Agonist) und der Beuger zum passivem Muskel (Antagonist).

Die Muskelgruppe der Rotatoren wird auch als Muskel-Sehnen-Kappe bezeichnet und umgibt die Gelenke kappenförmig. Die Muskelpartie ist besonders dehnbar und umfasst bewegliche Gelenke, wie z.B. die Schultern.

Für die Muskelkontraktion, bzw. für die Muskelentspannung ist eine ausreichende Zufuhr bestimmter Nährstoffe, wie Calcium und Magnesium, essentiell. Sollte dein Pferd also schnell zu Muskelverspannungen oder Krämpfen leiden, kann ein angereicherter Futterzusatz eine lockere und geschmeidige Muskulatur unterstützen.

Wie die verschiedenen Muskelgruppen im Pferdekörper zusammenspielen

Die Muskeln deines Pferdes werden in verschiedene Muskelgruppen eingeteilt. Jede Gruppe ist für eine bestimmte Funktion zuständig. Jedoch arbeiten alle Muskelgruppen in ihrer Gesamtheit wie ein Werk aus verschiedenen, ineinandergreifenden Zahnrädern zusammen. Die Gruppen stehen somit in einer funktionalen Beziehung zueinander und sorgen für einen reibungslosen Bewegungsablauf.

Die verschiedene Muskelgruppen werden anders trainiert und beansprucht, je nach dem, was du von deinem Pferd erwartest. Dennoch ist es wichtig, dass du die Muskelgruppen deines Pferdes als Ganzes betrachtest, denn der schwächste Muskel in einer Gruppe kann die gesamte Muskelkette beeinflussen und belasten. Dies kann dann auch zu Muskelverkrampfungen und Überlastungssymptomen führen.

Die 2 wichtigsten Muskelketten innerhalb der Muskelgruppen sind die dorsale und ventrale Kette.

Die Muskelgruppen der dorsalen Kette befinden sich über den Wirbeln. Dazu gehören die Muskulatur des oberen Halsabschnittes, die Rückenmuskulatur, die Muskulatur der Kruppe und die Oberschenkelmuskulatur. Diese Muskeln sind Streckmuskeln des Rumpfes sowie der Hüfte. Die dorsale Kette ermöglicht das Anheben des Hales und das Rückwärtsrichten der Hinterhand.

Dann gibt es noch die ventrale Muskelkette, die aus den unteren Halsmuskeln, den Bauchmuskeln und den vorderen Oberschenkelmuskeln besteht. Diese Muskeln sind Beugemuskeln des Halses, des Rumpfes und der Hüfte. Hierdurch wird das Senken des Halses ermöglicht. Außerdem sorgt die Muskelkette dafür, dass die Hinterhand untertreten kann.

Die Halsmuskulatur


Die obere Seite des Halses vom Widerrist bis zum Genick nennt man auch Oberlinie. Diese Muskelpartie ist durch gleichmäßige Muskelstränge gekennzeichnet, die für die Bewegung der wendigsten Abschnitte der Wirbelsäule zuständig sind. Sie sorgen also dafür, dass dein Pferd den Kopf in alle Richtungen bewegen kann. Es wird zwischen den kurzen und den langen Halsmuskeln unterschieden. Die kurzen Halsmuskeln verbinden zwei Wirbel miteinander, die langen Halsmuskeln umspannen gleich ganze Bereiche der Wirbelsäule des Pferdes.


 


Die Brustmuskulatur

Da ein Pferd kein Schlüsselbein hat, übernehmen die Brustmuskeln diese Verbindungsaufgabe. Die Muskulatur verbindet also die Vorderbeine mit dem Rumpf und ermöglicht den Vorderbeinen das Tragen und Anheben des Rumpfes.

Darüber hinaus ziehen sie die Gliedmaßen an den Körper heran und ermöglichen deinem Pferd, dass es die Vorderbeine nach innen bewegen kann. Die Brustmuskulatur ist sehr kraftvoll und für die Tragfähigkeit der Vorhand entscheidend.



Die Rückenmuskulatur

Die Rückenmuskulatur des Pferdes verläuft rechts und links neben der Wirbelsäule und ist der längste Muskel des Pferdes. Der lange Rückenmuskel reicht vom Kreuzbein entlang der gesamten Lenden-, Brust- und Halswirbelsäule bis zum Hinterhauptbein des Schädels.

Für ein Reitpferd ist ein starker Rücken das A und O, denn nur mit einer gesunden Wirbelsäule und einer starken Rückenmuskulatur kann dein Pferd dich ohne Probleme tragen.

Die Rückenmuskulatur nimmt nicht nur Einfluss auf die Biegung, Lockerheit und Anspannung der Wirbelsäule, sondern auch auf die Atemfreiheit des Brustkorbes sowie der Schulterfreiheit in der Gangbewegung. Sprich, eine gesunde Rückenmuskulatur hat einen enormen Einfluss auf die Gesundheit deines Pferdes.

Die Bauchmuskulatur

Die Bauchmuskulatur ist mit der Rückenmuskulatur verkettet. Die beiden Muskelpartien gehören demnach zusammen: Ein gesunder Rücken benötigt eine gesunde Bauchmuskulatur und umgekehrt. Die untere Muskulatur (die Bauchmuskulatur) trägt zur Stärkung der oberen Muskulatur (die Rückenmuskulatur) bei.

Die Bauchmuskulatur hebt und stützt den Rücken. Gleichzeitig unterstützt die Muskulatur das Becken und den Rumpf. Fehlt die unterstützende Bauchmuskulatur, können eine schwache Rückenmuskulatur sowie Rückenschmerzen die Folge sein.

Die Hinter- und Vorhandmuskulatur


Die Hinterhandmuskulatur und die Vorhandmuskulatur sind 2 Muskelpartien, die für die Bewegung des Pferdes zuständig sind.

Die Muskulatur der Hinterhand besteht aus dem hinteren Drittel des Pferdes, also der Kruppe, der Hinterbeine und dem Pferdeschweif. Diese Muskelpartie dient als „Antrieb“ und „Motor“. Hieraus kommt sowohl beim Springen, bei der Dressur als auch bei einem Ausritt die Trag- und Sprungkraft. Mit der Hinterhand schiebt dein Pferd seinen Körper nach vorne.

Die Vorhandmuskulatur ist im Gegensatz zur Hinterhandmuskulatur etwas schwächer. Dennoch tragen die Muskeln der Vorderbeine, des Rumpfes und der Brust das Gewicht des schweren Pferdehalses. Wenn du auf deinem Pferd reitest, kommt dein Gewicht noch hinzu. Besonders im Stand lastet ein großer Teil des zusätzlichen Gewichts auf der Vorderhand. Diese Muskeln sind auf Tragkraft ausgelegt, sollten aber dennoch nicht zu sehr belastet werden. Bei einer Überbelastung der Vorhandmuskulatur kann es möglicherweise zu Verschleiß und Schäden des Tragapparates kommen.

Wie du eine gesunde Bemuskelung bei Pferden erkennst

Damit dein Pferd das zusätzliche Reitergewicht langfristig tragen kann, braucht es Kraft und eine gesunde Bemuskelung. Wenn dein Pferd bedarfsgerecht trainiert wird, bildet sich diese Muskulatur mit der Zeit von selbst. An den Muskeln deines Pferdes kannst du schnell erkennen, wie gut dein Training ist.

Jede Pferderasse besitzt eine andere genetische Veranlagung. So ist ein Kaltblut um einiges stämmiger als ein Englisches Vollblut, bei dem du ganz andere Muskeln auf den ersten Blick erkennen kannst.

Der Gesamteindruck zählt: eine gesunde Bemuskelung wirkt rund und nicht eckig.

Eine gesunde Muskulatur sollte sich schön rund und fest anfühlen. Hierbei ist auch entscheidend, wie die einzelnen Muskelgruppen ausgeprägt sind und im Verhältnis zueinanderstehen:

  • Die Rückenmuskulatur deines Pferdes sollte locker, beweglich, lang und gut ausgebildet sein. Eine gesunde Rückenmuskulatur erkennst du daran, dass die Wirbelsäule zwischen den beiden Muskelsträngen eingebettet ist und nicht hervorsteht. Bitte nicht verwechseln mit Pferden, die zu dick oder zu dünn sind!
  • Der Übergang zwischen Rücken und Widerrist, dem erhöhten Übergang zum Hals, ist bei einer gesunden Muskulatur rechts und links sehr eben und glatt. „Kuhlen“ deuten auf eine schwache Muskulatur hin.
  • Die Halsoberlinie, also die Muskelgruppe vom Widerrist bis zum Kopf, ist gleichmäßig geschwungen.
  • Der Unterhals, also die untere Hälfte des Halses, darf bei einer gesunden Bemuskelung nicht zu muskulös sein. Stattdessen sollte auch hier eine ausgeprägte und ebene Muskulatur erkennbar sein.
  • Die Schultermuskulatur bedeckt bei einer gesunden Muskulatur das Schulterblatt. Fehlt die Muskulatur, ist das Schulterblatt durch eine Einkerbung zwischen Hals und Schulter deutlich unter der Haut zu erkennen.
  • Eine gesunde Bauchmuskulatur erkennst du an einem angemessen runden, straffen und gut geformten Bauch. Der Bauch sollte nicht zu dick sein oder zu stark durchhängen.
  • Die Hinterhandmuskulatur sollte ausgeprägt, rund und fest sein. Die Schenkel- und Wadenmuskel sind nach außen gewölbt. Bei einer guten Bemuskelung erkennst du nur eine kleine Spalte zwischen den Innenschenkeln. Die Muskeln an der Kruppe und den Beinen wirken bei einer schwachen Muskulatur hingegen flach und kantig.

Die Ausprägung der Muskelpartien hängt nicht nur vom Training, sondern auch von den individuellen Voraussetzungen und dem Fütterungszustand deines Pferdes ab. Es gibt kein Schema F, nach dem du dich richten kannst. Wenn du nicht sicher bist, ob dein Pferd optimal bemuskelt ist, empfiehlt sich ein Gespräch mit deinem Tierarzt. Dieser kann dir vor Ort genau sagen, ob deinem Pferd etwas fehlt oder dir Tipps für einen gesunden Muskelaufbau geben.

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