Sicher bezahlen mit PayPal

Sackgut, Ergänzungsfutter & BigBoxen

Bequem liefern lassen

Dr. Patricia Sitzenstock
23 juni 2022 Lesezeit 6 Minuten

Eiweiß im Pferdefutter

Eiweiß wird in der Pferdefütterung als „Rohprotein“, bzw. „Verdauliches Rohprotein“ bezeichnet. Es wird als „Analytische Bestandteile“ und in Zusammenhang mit den Inhaltsstoffen auf den Futtersäcken deklariert. Die Angst vor zu viel Eiweiß in der Fütterung hält sich bei den Pferdebesitzern hartnäckig. Aber eigentlich ist genau das Gegenteil der Fall. Eiweiß und seine Bausteine, die sogenannten Aminosäuren, sind wichtige Baustoffe für den Körper deines Pferdes. Denn nicht umsonst wird Eiweiß (Protein) als Baustein des Lebens bezeichnet.

Proteine sind in Verbindung mit Wasser der Baustoff für alle Arten von Gewebe im Organismus. Im Gegensatz zu Fetten und Kohlenhydraten kann der Körper Proteine nicht speichern. Deshalb müssen in der täglichen Fütterung immer Eiweiße enthalten sein. Eine Fütterung mit zu geringem Proteingehalt kann zu großen gesundheitlichen Problemen bei Pferden führen.

Eiweiße ​​werden aus Aminosäuren hergestellt und es gibt 2 Arten:

  • Essentielle Aminosäuren: diese können vom Körper nicht selbst hergestellt werden und müssen mit der Ernährung zugefüttert werden. Dazu gehören z.B. Lysin, Methionin, Tryptophan, Leucin, Isoleucin, Threoin, Valin, Histidin und Phenylalanin.
  • Nicht-essentielle Aminosäuren: diese können vom Körper selbst hergestellt werden.

Wichtig ist vor allem die Eiweißqualität im Pferdefutter. Wenn Experten über eine niedrige Eiweißqualität im Pferdefutter sprechen, dann ist damit ein geringer Gehalt an essentiellen Aminosäuren gemeint. Leinsamen enthalten z.B. einen geringen Gehalt an essentiellen Aminosäuren. Hingegen hat Soja eine hohe Eiweißqualität, da es viele essentielle Aminosäuren enthält. Achte daher bei der Fütterung deines Pferdes auf ein Futter mit einer hoher Eiweißqualität.

Wie viel Eiweiß benötigen Pferde?

Grundsätzlich gilt laut wissenschaftlicher Empfehlung: 0,5 bis 1g verdauliches Eiweiß pro Kilogramm Lebendgewicht. Hier ist aber zu berücksichtigen, dass mit steigendem Lebendgewicht, der Eiweißbedarf sinkt, d.h. in diesem Fall braucht ein 600kg schweres Pferd ca. 300g bis 600g Eiweiß.

Globale Richtlinie für Eiweiß bei Pferden

Pferdetypen

Rohprotein insgesamt (inkl. Raufutter)

Pferde, die leichte Arbeit verrichten

5-7%

Sportpferde

10-12%

Junge Pferde & trächtige laktierende Stuten

10-14%

Fohlen & Jährlinge

12-15%

 

Wozu dient Eiweiß aus dem Futter den Pferden?

Das im Futter enthaltene Eiweiß mit seinen Aminosäuren ist verantwortlich für alle lebenswichtigen Funktionen sowie für einen gesunden Muskelaufbau. Daher solltest du eine ausreichende Zufuhr besonders von hochwertigem Eiweiß mit der Fütterung für dein Pferd sicherstellen.

Die Verdauung von Eiweißen beim Pferd:

Eiweiße, bzw. Proteine, werden vom Pferd mit der Nahrung aufgenommen und im Magen durch das eiweißspaltende Enzym „Protease“ wieder in seine einzelnen Bausteine – den Aminosäuren – zerlegt. Die Aufnahme der Aminosäuren in die Blutbahn erfolgt im Dünndarm des Pferdes. Danach gelangen sie in die Leber, wo die Aminosäuren dann in körpereigenes Protein zusammengebaut werden.

Entsorgung der Eiweiß-Abfallstoffe:

Aminosäuren bestehen neben Kohlenstoff, Wasserstoff und Sauerstoff auch aus Stickstoff. Eben dieser Stickstoff muss nach dem Aufbau von Proteinen aus dem Körper entfernt werden, da er keine weitere Verwendung findet und auch nicht der Energiegewinnung dient. Der Stickstoff wird in Harnsäure und in der Leber in Harnstoff umgewandelt. Dieser wird dann schließlich über die Nieren ausgeschieden.

Warum Eiweiß für Pferde so wichtig ist:

Pferde benötigen Eiweiß, um ihre Muskulatur aufzubauen, zu wachsen und sich zu entwickeln. Hierbei hängt die Entwicklung des Gewebes von der Eiweißstruktur ab.

Des Weiteren gehören auch z.B. Keratine, die Hauptbestandteile in Hufen, Haaren und dem Fell, zu den Proteinen. Ein guter Stoffwechsel und ein gesundes Immunsystem sind nur durch eine ausreichende Eiweißzufuhr möglich. Der Körper deines Pferdes benötigt zudem auch für den Aufbau von z.B. Hormonen, Enzymen und Antikörpern entsprechende Aminosäuren. Um nach einer Verletzung dein Pferd bei der Regeneration der Zellstruktur zu unterstützen, ist ebenfalls ein hoher Eiweißgehalt im Futter empfehlenswert.

Eiweiß im Futter dient deinem Pferd somit zur Ausübung folgender Funktionen:

  • Aufbau von Muskel-, Stütz- und Schutzgewebe sowie Enzymen.
  • Für eine gute Leber- und Nierenfunktion.
  • Zur Bildung von Hämoglobin im Blut. Dies ist unter anderem verantwortlich für den Sauerstofftransport im Blut.
  • Für ein gesundes Immunsystem des Körpers, so dass der Entstehung von Immunkrankheiten vorgebeugt, bzw. aktiv entgegengewirkt werden kann.
  • Zur Blutgerinnung. Hierdurch können sich Krusten auf den Wunden bilden, so dass Blutungen gestoppt werden. Diese Krusten sind aus Eiweißen aufgebaut.

Welche Pferde haben einen erhöhten Eiweißbedarf?

Grundsätzlich sollten natürlich alle Pferde bedarfsgerecht ernährt werden. Aber es gibt auch Pferde, die einen höheren Eiweißbedarf haben:

  • Pferde mit einem besonders dicken und/oder langem Haarkleid (z.B. Tinker, Isländer oder Norweger) benötigen MEHR Eiweiß, denn Haare bestehen hauptsächlich aus Aminosäuren.
  • Wenn dein Pferd unter Hautproblemen wie z.B. Sommerekzem leidet, sollte es möglichst eiweißreich ernährt werden, denn um geschädigte Hautstrukturen wieder reparieren zu können, benötigt der Körper entsprechende Aminosäuren.
  • Bei bestimmten Stoffwechselerkrankungen (z.B. EMS oder PPID) sollte dein Pferd ebenfalls nicht zu knapp mit Eiweiß versorgt werden.
  • Wenn dein Pferd von einer Hufrehe betroffen ist. Hufrehe gefährdete Pferde sollten zucker- und stärkearm ernährt werden. Die Energie- und Nährstoffquelle sollte somit neben hochwertigen Fetten ebenfalls aus hochwertigen Proteinen bestehen. Außerdem benötigt die „Reparatur“ der geschädigten Hufe eine ausreichende Versorgung essentieller Aminosäuren.
  • Bei zu dicken Pferden solltest du im Rahmen des Diätplans mit einer energiearmen Fütterung jedoch auf ausreichend Eiweiß achten. Enthält das Futter zu wenig Eiweiß, so kann dies zum Abbau der Muskulatur führen. Vermeide jedoch gerade beim Abnehmen deines Pferdes einen Muskelabbau.
  • Pferde, die Muskulatur aufbauen sollen, eine hohe Leistung erbringen müssen oder sich noch im Wachstum befinden, haben einen erhöhten Eiweißbedarf.
  • Hochträchtige und laktierende Stuten haben ebenfalls einen erhöhen Eiweißbedarf.
  • Ältere Pferde leiden vermehrt an Stoffwechselerkrankungen wie PPID (Cushing), was eine zucker- und stärkearme Fütterung zur Folge hat. Aber auch Zahnprobleme oder eine verschlechterte Verdauung können bei älteren Pferden dafür sorgen, dass das Futter nicht mehr ausreichend aufgenommen und verwertet werden kann. Daher ist neben einer gesicherten Energiezufuhr auch eine ausreichende Proteinaufnahme wichtig, um den Senior lange fit und vital zu halten. Schenke deshalb der Fütterung von älteren Pferden besondere Beachtung.

Welche zusätzlichen Eiweißquellen kannst du deinem Pferd anbieten?

Es ist wichtig, sich die Futterration deines Pferdes einmal genau anzusehen. Dazu gehört: Was und wieviel wird gefüttert? Wie viel Raufutter bekommt dein Pferd und wann wurde das Heu geerntet?

Tipp: Lasse dein Heu durch eine individuelle Heuanalyse den Gehalt an dünndarmverdaulichem Eiweiß ermitteln. So kann eine gute und gesunde Versorgung deines Pferdes korrekt berechnet werden. Der Wert zeigt dir dann auch, wie viel Eiweiß tatsächlich noch über ergänzende Futtermittel beigefüttert werden muss. Dies gilt insbesondere für Pferde mit einem erhöhten Proteinbedarf.

Pavo bietet vor allem für diese Pferdetypen Ergänzungsfuttermittel, die einen erhöhten Eiweißbedarf oder eine eiweißarme Futterqualität ausgleichen. Hierzu gehören die Toppings  TopSport und die getreidefreie Alternative RiceBran sowie ProteinPlus.

Welche Konsequenzen hat ein Eiweißüberschuss in der Pferdefütterung?

Wenn das aufgenommene Eiweiß nicht als Baustoff verwendet wird, kann Ihr Pferd dies auch in geringem Maße als Energiequelle verwenden. Dies ist jedoch nicht besonders effizient. Ein Eiweißüberschuss muss vom Körper wieder abgebaut werden – hierbei entsteht Harnstoff, welcher ausgeschieden wird. Betroffen sind dann die sogenannten Harnorgane wie Leber und Nieren. Ein Überangebot an Eiweiß sorgt somit zwangsläufig für eine Überbelastung der Leber und Nieren, was wiederum zu Problemen führen kann. Lese hierzu auch unsere Ratgeber „Lebererkrankungen bei Pferden“ und „chronische Nierenerkrankungen bei Pferden“.

Zudem ist eine erhöhte Dosis von Eiweiß in der Fütterung nicht gut, weil:

  • das Pferd zu viel trinkt, da der Bedarf nach Flüssigkeit stark ansteigt.
  • der Gehalt von Harnstoff im Blut und im Darm steigt, was Durchfall verursachen kann.
  • der Ammoniakspiegel im Blut ansteigt, was zu Nervosität und Störungen im Kohlenhydratstoffwechsel führen kann.
  • das Pferd häufiger Wasser lässt. Das freigesetzte Ammoniak kann dann in weniger belüfteten Ställen zu Atembeschwerden führen.

Alles in allem ist ein „zu viel“ eine Belastung für den Körper. Das Ziel einer bedarfsgerechten Fütterung sollte eine ausgewogene Balance von Eiweiß im Futter sein, damit die Bedürfnisse deines Pferdes optimal erfüllt werden können.

Ist auch ein Eiweißmangel möglich?

Bei Pferden kann durchaus auch ein Eiweißmangel entstehen. Dies kommt häufig vor, wenn kein bis wenig Weidegang zur Verfügung steht oder wenig Heu bzw. Heu von niedriger Qualität gefüttert wird. Auch zu spät geerntetes oder zu lange gelagertes Heu kann einen niedrigeren Proteingehalt aufweisen. In diesem Fall ist eine Anreicherung der Futterration durch hochwertige Eiweiße erforderlich, um den Bedarf deines Pferdes zu decken.

Ein Eiweißmangel beim Pferd kann unter anderem zur Verminderung der körperlichen und mentalen Leistungsfähigkeit sowie Muskelabbau führen. Bei Jungpferden könnte eine entsprechende Unterversorgung auch zu Wachstumsstörungen führen.

Wichtig zu wissen: Ein niedriger Eiweißgehalt im Blut muss keineswegs ein Anzeichen für Eiweißmangel sein. Dies kann auch auf eine mangelhafte körpereigene Eiweißproduktion der Leber hinweisen. Besprich dich hier am besten mit deinem Tierarzt.

Mythen und Fakten über Eiweiß in der Pferdefütterung

Über Eiweiße in der Pferdefütterung kursieren einige interessante Aussagen. Einige davon sind wissenschaftlich belegt, bei anderen handelt es sich einzig um Mythen. Wir haben die 5 gängigsten Behauptungen über Eiweiß für Pferde genauer unter die Lupe genommen.   

„Ein Pferd bezieht sein Eiweiß aus Raufutter.“

Diese Behauptung ist teilweise wahr. Grundsätzlich sollte dein Pferd den Großteil seines Proteinbedarfs durch Raufutter decken können. Aus 1.300 Raufutteranalysen ging jedoch hervor, dass 39% der untersuchten Proben über einen niedrigen bis sehr niedrigen Eiweißgehalt verfügten. In diesem Fall ist eine Deckung des Eiweißbedarfs allein durch Raufutter oft nicht möglich.

„Ein Sportpferd braucht mehr Protein als ein Freizeitpferd.“

Der Erhaltungsbedarf eines ausgewachsenen Pferdes liegt bei etwa 500 g Protein pro Tag. Der Bedarf eines Sportpferdes, welches (sehr) harte Arbeit leisten muss, ist etwa doppelt so hoch.

 „Pferde, die zu wenig Muskeln aufbauen, brauchen immer einen Proteinschub.“

Diese Aussage ist falsch. Es ist sehr wichtig, die Eiweißzufuhr immer an den individuellen Bedarf deines Pferdes anzupassen. Fütterst du deinem Pferd z.B. zu viel Eiweiß, muss es diesen Überschuss ausscheiden. Dies belastet langfristig sowohl seine Leber als auch die Nieren. Zudem ist einzig die Erhöhung der Proteinzufuhr nicht ausreichend, um einen Muskelaufbau bei deinem Pferd zu bewirken. Der Schlüssel für ein gut bemuskeltes Pferd ist immer eine Kombination aus gutem Training und einer bedarfsgerechten Fütterung. Erhöhst du die Trainingsintensität deines Pferdes, steigt damit auch sein Proteinbedarf. Allein in diesem Fall ist eine Erhöhung der Eiweißzufuhr für den Muskelaufbau sinnvoll.

 

„Zu viel Eiweiß kann zu Gesundheitsrisiken wie geschwollenen Beinen und Hufrehe führen.“

Auch bei dieser Aussage handelt es sich um einen Mythos. Die Forschung hat gezeigt, dass Eiweiß oft nicht die Hauptursache für geschwollene Beine oder Hufrehe ist. Fruktanreiches Gras hingegen könnte wahrscheinlicher der Auslöser für diese Beschwerden sein.

„Von außen kann man nicht erkennen, ob ein Pferd einen Eiweißmangel hat.“

Es gibt eine Reihe von Symptomen, die darauf hinweisen, dass die Ration deines Pferdes zu wenig Eiweiß enthält. Dazu zählen eine schlechte Haar- und Hufqualität, ein schwaches Immunsystem, Muskelschwund, Ödembildung und schnelle Ermüdung. Außerdem kann ein Mangel an Proteinen die Belastbarkeit des Pferdes verringern und zu Verletzungen führen. Bei dieser Aussage handelt es sich somit um einen Mythos.

 

Es ist für jeden Pferdebesitzer eine große Herausforderung, bei der Pferdefütterung zwischen Eiweißmenge und Eiweißqualität zu unterscheiden und dem Bedarf dem Alter und der sportlichen Betätigung des Pferdes anzupassen. Du bist dir unsicher, ob dein Pferd die richtige Menge und Qualität an Eiweiß erhält? Die Pavo Fütterungsberatung unterstützt dich gerne.  

 

Lesen Sie mehr über:

Eiweiß +Pferdefutter +Sportpferd +