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7 Oktober 2026 Lesezeit 4 Minuten

Heuanalyse beim Pferd: Warum du den Zucker- und Proteingehalt deines Heus kennen solltest

Das Wichtigste auf einen Blick

Eine Raufutteranalyse ist die zuverlässigste Methode, um den Zucker-, Protein- und Energiegehalt von Heu und Heulage zu bestimmen. Untersuchungen auf Grundlage von mehr als 30.000 Raufutterproben zeigen, dass die Nährstoffgehalte zwischen einzelnen Proben erheblich variieren können. Daher lässt sich der tatsächliche Nährwert nicht allein anhand des Aussehens beurteilen. Die Kenntnis dieser Werte hilft Pferdehaltern, fundiertere Fütterungsentscheidungen zu treffen und die Ration individuell an das jeweilige Pferd anzupassen.

Warum ist eine Futteranalyse wichtig?

Raufutter bildet die Grundlage der meisten Pferderationen und liefert den Großteil der täglich aufgenommenen Nährstoffe. Da Raufutter einen so großen Beitrag zur Gesamtversorgung leistet, kann seine Qualität die Gesundheit, den Ernährungszustand und die Leistungsfähigkeit eines Pferdes unmittelbar beeinflussen.
Viele Pferdehalter beurteilen Raufutter anhand von Farbe, Geruch und Struktur. Diese Merkmale können zwar Hinweise auf die Hygiene und allgemeine Qualität geben, sie zeigen jedoch nicht immer hygienische Probleme oder Verunreinigungen auf. In manchen Fällen sieht Raufutter unauffällig aus und riecht normal, obwohl Schimmel, Staub oder andere unerwünschte Verunreinigungen vorhanden sind.
Eine Laboranalyse liefert objektive Informationen über die Nährstoffzusammensetzung des Raufutters. Ergänzende Hygienetests können zudem messbare Erkenntnisse über die hygienische Qualität und mögliche Kontaminationsrisiken liefern. Ohne eine Laboruntersuchung bleiben sowohl der Nährwert als auch die hygienische Qualität eines Raufutters oft ungewiss.

Raufutter ist nicht gleich Raufutter

Aktuelle Untersuchungen von mehr als 30.000 Heu- und Heulageproben, die zwischen 2016 und 2025 in Deutschland, Belgien und den Niederlanden gesammelt wurden, verdeutlichen, wie unterschiedlich Raufutter sein kann. Selbst Proben, die äußerlich ähnlich erscheinen, können sich deutlich in ihrem Zucker-, Protein- und Energiegehalt unterscheiden.

Forschung zeigt Veränderungen der Nährstoffzusammensetzung von Raufutter

Im Verlauf des zehnjährigen Untersuchungszeitraums (2016–2025) zeigten sich mehrere Entwicklungen in der Nährstoffzusammensetzung von Raufutter:

  • Die durchschnittlichen Energiewerte nahmen im Zeitverlauf ab.
  • Auch die durchschnittlichen Rohproteingehalte gingen zurück.
  • Die Zuckergehalte schwankten deutlich von Jahr zu Jahr.
  • Ein häufig verwendeter Referenzwert für Raufutter liegt bei 100 g Zucker/kg Trockenmasse, insbesondere bei der Beurteilung von Raufutter für Pferde, bei denen die Zuckeraufnahme kontrolliert werden sollte. Der Anteil der Proben, die diesen Wert überschritten, nahm im Untersuchungszeitraum schrittweise zu.

Auch wenn einzelne Raufutterproben weiterhin große Unterschiede aufweisen, zeigen diese Ergebnisse, warum eine Raufutteranalyse für Pferdehalter immer wichtiger wird.

Warum sind die Zuckergehalte im Raufutter wichtig?

Eines der wichtigsten Ergebnisse der Untersuchung war das anhaltende Vorkommen mittlerer bis hoher Zuckerkonzentrationen in vielen Raufutterproben. Für Pferdehalter ist dies relevant, da die Zuckeraufnahme beeinflussen kann, ob ein Raufutter für bestimmte Pferde geeignet ist.
Der entscheidende Punkt: Heu mit ähnlichem Aussehen kann sehr unterschiedliche Zuckergehalte enthalten. Ohne Analyse lässt sich nicht sicher feststellen, ob ein Raufutter für Pferde geeignet ist, die eine kontrollierte Zuckeraufnahme benötigen.
Ein weit verbreiteter Irrglaube ist, dass energieärmeres Raufutter automatisch weniger Zucker enthält. Tatsächlich kann ein Raufutter relativ wenig Energie liefern und dennoch erhebliche Mengen an Zucker enthalten.
Aktuelle Daten verdeutlichen die große Schwankungsbreite der Zuckergehalte. Bei einer Analyse von knapp 2.000 Raufutterproben aus dem Sommer 2026 enthielten 58 % mehr als 100 g Zucker/kg Trockenmasse. Davon überschritt etwa ein Drittel sogar 120 g Zucker/kg Trockenmasse.

Welche Pferde profitieren besonders von der Kenntnis des Zuckergehalts im Raufutter?

Eine Heuanalyse ist besonders wertvoll bei der Auswahl von Raufutter für Pferde mit Stoffwechselproblemen. Dazu gehören Pferde mit:

Für diese Pferde spielen die Zuckergehalte des Raufutters häufig eine wichtige Rolle bei der Erstellung eines geeigneten Fütterungsplans.

Warum ist der Proteingehalt wichtig?

Protein liefert die Aminosäuren, die für zahlreiche lebenswichtige Funktionen im Körper des Pferdes benötigt werden. Eine ausreichende Proteinversorgung unterstützt:

  • den Erhalt und Aufbau der Muskulatur
  • das Wachstum bei Jungpferden
  • die Reparatur und Regeneration von Gewebe
  • die Entwicklung eines gesunden Haarkleids
  • den saisonalen Fellwechsel

Aktuelle saisonale Auswertungen zeigten, dass etwa zwei Drittel der Raufutterproben weniger als 92 g Rohprotein/kg Trockenmasse enthielten.
Dadurch kann Raufutter weniger Protein zur Gesamtration beitragen, als viele Pferdehalter erwarten. Eine Raufutteranalyse ist daher ein wichtiger Schritt bei der bedarfsgerechten Rationsgestaltung.
Allerdings gibt der Rohproteingehalt lediglich die Gesamtmenge an vorhandenem Protein an. Er sagt nichts darüber aus, wie effizient dieses Protein vom Pferd genutzt werden kann. Das bedeutet, dass ein Raufutter mit einem scheinbar ausreichenden Rohproteingehalt nicht automatisch alle verwertbaren Aminosäuren liefert, die ein Pferd benötigt. Ergebnisse einer Raufutteranalyse sollten deshalb immer im Zusammenhang mit der gesamten Ration betrachtet werden.

Der Energiegehalt sollte nicht unterschätzt werden

Jedes Pferd hat einen individuellen Energiebedarf. Die Anforderungen eines Sportpferdes unterscheiden sich von denen eines Freizeitpferdes, während wachsende oder ältere Pferde wiederum ganz andere Bedürfnisse haben können.
Da Raufutter den Großteil der täglichen Energieaufnahme liefert, hilft die Kenntnis des Energiegehalts dabei zu beurteilen, ob zusätzlich Kraftfutter erforderlich ist. So können sowohl Unterversorgung als auch eine unnötig hohe Energieaufnahme vermieden werden.
Enthält das Raufutter weniger Energie als erwartet, können zusätzliche Energiequellen notwendig sein, um Körperkondition und Leistungsfähigkeit zu unterstützen. Liefert das Raufutter hingegen bereits ausreichend Energie, benötigen manche Pferde nur wenig oder gar keine zusätzliche Energie aus Kraftfutter.
Eine Raufutteranalyse zeigt, welchen Beitrag Ihr Raufutter zur gesamten Energie- und Nährstoffversorgung leistet.

Vorteile einer Raufutteranalyse

Die Analyse Ihres Raufutters kann Ihnen helfen:

  • den Nährwert Ihres Heus oder Ihrer Heulage besser zu verstehen
  • Zucker-, Protein- und Energiegehalte genauer zu beurteilen
  • Fütterungsprogramme individuell auf einzelne Pferde abzustimmen
  • unnötige Ergänzungen zu vermeiden
  • Pferde mit Stoffwechselproblemen gezielter zu unterstützen
  • die Rationsberechnung und das Nährstoffmanagement zu verbessern
  • Das Ergebnis ist eine Fütterungsstrategie, die auf messbaren Daten und nicht auf Vermutungen basiert.

Fazit

Eine Raufutteranalyse liefert objektive Informationen über den Zucker-, Protein- und Energiegehalt von Heu und Heulage. Da die Nährstoffzusammensetzung von Raufutter erheblich zwischen einzelnen Chargen und Proben variieren kann, ermöglicht eine Laboranalyse einen präzisen Einblick in dessen tatsächlichen Nährwert.
Bevor Kraftfutter oder Ergänzungsfuttermittel ausgewählt werden, ist es sinnvoll, zunächst die Zusammensetzung des Raufutters zu kennen, das die Basis der Pferderation bildet. Wer weiß, was im eigenen Raufutter steckt, kann Fütterungsentscheidungen gezielter treffen und sicherstellen, dass die individuellen Nährstoffbedürfnisse des Pferdes bestmöglich berücksichtigt werden.

Quelle: Bos et al., 2026. Forage nutrient composition and its relevance to dietary management in healthy and insulin dysregulated horses: A retrospective study. Animal - Science Proceedings, 17(2), 168–169. https://doi.org/10.1016/j.anscip.2026.06.032

 

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