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Stell dir die ideale Ration für dein Pferd vor. Enthält sie Zucker und Stärke? Zucker ist schlecht für dein Pferd und Stärke ist ungesund. Oder doch nicht? Lass uns dir helfen! Wir kennen die Wahrheit über Zucker und Stärke im Pferdefutter.

Jedes Pferd braucht eine bestimmte Menge an Zucker, aber keine Stärke. Wie viel, hängt von verschiedenen Faktoren ab (wie Alter, Aktivitätsniveau). Wie bestimmst du die Gesamtmenge an Zucker, die dein Pferd braucht? Bestimme zunächst den Zucker- UND Stärkegehalt der KOMPLETTEN Ration, damit du weißt, wie viel dein Pferd aufnimmt und wie sich dies auf seinen Glukosestoffwechsel auswirkt. Mit diesem Test kannst du herausfinden, wie gut du die Wahrheit über Zucker und Stärke kennst.

Ja...

3 Möhren haben so viel Zucker wie ein Eis

Ja, drei Karotten enthalten (ungefähr) die gleiche Menge Zucker wie eine Kugel Eiscreme. Natürlich ist Eiscreme nicht für Pferde geeignet, weil sie den Milchzucker nicht verdauen können. Wusstest du, dass eine normale Leckerei wie Karotten, Äpfel oder Bananen genauso viel Zucker enthalten kann wie ein süßes Eis? Wer hat noch nie eine Karotte, einen Apfel oder eine Banane an ein Pferd verfüttert? Natürlich ist es kein Problem, deinem Pferd ab und zu ein Leckerli zu geben, aber sei immer achtsam, was du deinem Pferd fütterst. Bevor du das nächste Mal ein Leckerli fütterst, frag dich:  Muss ich meinem Pferd wirklich ein zusätzliches Leckerli geben? Wenn ja, weißt du, was drin ist und ob es für dein Pferd geeignet ist?

Ja...

Jedes Pferd braucht Zucker & Stärke

Die Antwort lautet ja und nein. Ja, ein Pferd braucht Zucker zum Leben, weil bestimmte Organe Zucker als Hauptenergiequelle nutzen, aber Pferde können auch ohne Stärke überleben. Pferde sind Hinterdarmfermentierer, d. h. dieser Teil des Verdauungstrakts ist hoch entwickelt (Fermentation von Fasern). Zucker und Stärke werden jedoch im Dünndarm verdaut, wo das Futter im Vergleich schneller als im Hinterdarm durchläuft. Bei der Verdauung von Futtermitteln wird Glukose produziert und durch die Dünndarmwand in den Blutkreislauf aufgenommen und in verschiedenen Organen im Körper gespeichert. 

Wenn ein gesundes Pferd mit einer ausgewogenen Zuckerzufuhr gefüttert wird, sollten keine Probleme auftreten. Bleibt der Blutzuckerspiegel jedoch über einen längeren Zeitraum hinweg zu hoch, weil ständig zu viel Zucker aufgenommen wird, kann der Stoffwechsel überlastet werden, was zu gesundheitlichen Problemen führen kann. Ziel ist es, dein Pferd mit der richtigen Zuckermenge zu versorgen, so dass der Stoffwechsel nicht überlastet wird, dein Pferd aber dennoch die ausreichende Menge an Zucker erhält, um optimal zu funktionieren. Eine gleichmäßige, niedrige Zufuhr von Zucker ist für ein gesundes, glückliches Pferd unerlässlich. 

 

 

 

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Ja...

Stärke besteht aus Zucker

Stärke besteht aus Zuckerbausteinen. Zucker liegt in Glukose als ein einziges Saccharid vor, im Gegensatz zu Stärke, die aus mehreren miteinander verbundenen Glukoseeinheiten besteht. Wenn das Pferd Stärke verdauen muss, muss es zunächst alle Verbindungen zwischen den Glukoseeinheiten aufspalten. Nach der Aufspaltung wird es wieder zu einzelnen Sacchariden, die, wie wir bereits erklärt haben, Zucker sind. Die Stärke wird also in Zucker aufgespalten, bevor sie in den Blutkreislauf gelangt. In der Praxis bedeutet das, dass du immer den Zucker- UND den Stärkewert betrachten musst, um herauszufinden, wie viel Zucker dein Pferd aufnimmt und wie groß die Auswirkungen auf den Glukosestoffwechsel sind.

Veterinary physiological chemistry (2011), chapter 19

Ja...

10kg Heu enthalten 250 Würfelzucker

10 kg Heu können 250 Würfelzucker enthalten. Das mag viel erscheinen, aber du solltest bedenken, dass Pferde mehrere Stunden brauchen, um die 10 kg Heu zu fressen. Die Aufnahme des Zuckers verteilt sich also über den Tag. Es ist immer wichtig, den Zucker- und Stärkegehalt pro Mahlzeit zu betrachten und nicht nur den prozentualen Anteil des Zuckers und der Stärke im Produkt oder im Rohmaterial. Wenn du dies pro Mahlzeit berechnest, kannst du die Auswirkungen auf den Stoffwechsel des Pferdes am besten quantifizieren. In der Tabelle ist ein Beispiel für eine Tagesration abgebildet (erwachsenes Pferd, Körpergewicht 600 kg). 

 

Bitte bedenke, dass jedes Pferd Zucker zum Leben braucht, da bestimmte Organe Zucker als Hauptenergiequelle nutzen. Außerdem wird die Zucker-Stärke-Aufnahme auf 2-3 Mahlzeiten pro Tag aufgeteilt. Mache dir also keine Sorgen über die Zucker- und Stärkemenge in der Ration, die für ein gesundes Pferd geeignet ist.

Futter Pro Tag (nicht pro Mahlzeit)
Rohstoff/Produkt Zucker oder Stärke im Produkt (%) Gefütterte Menge

Gefütterte Menge Zucker und Stärke

Gesamt
Heu* 10% + 0%

10.5kg

1050g + 0g 1050g
Pavo Condition 7,5% +13,5 % 1.98kg 148g+267g 415g
Pavo NervControl 2.6% + 9% 100g 2.6g + 9g

11,6g

* Der durchschnittliche Zucker- und Stärkegehalt basiert auf Raufutterproben, die wir für GER/NL/BE von 2015 bis 2020 erhalten haben. Führe den Pavo Raufutter-Schnelltest durch, wenn du wissen möchtest, ob der Zuckergehalt deines Raufutters für dein Pferd geeignet ist.

**Verteilt auf 2-3 Mahlzeiten pro Tag

 

 

Ja...

Einweichen von Heu reduziert Zucker

Ja, Zucker kann durch Einweichen in erheblichem Umfang aus dem Heu ausgeschwemmt werden. Die Studie von Marc et al. (2014) hat gezeigt, dass das Einweichen von Heu über einen längeren Zeitraum den Zuckergehalt um 50 % reduzieren kann. Wusstest du, dass es von der Art des Zuckers abhängt, wie lange es dauert, bis er sich aus dem Heu löst? Die Menge an Fruktan nimmt beispielsweise nach 15 Minuten ab, während es bei anderen Zuckern bis zu 30 bis 60 Minuten dauern kann (Bochnia et al., 2021). Es mag eine gute Idee sein, Heu einzuweichen, weil der Zuckergehalt dadurch sinkt. Man sollte sich jedoch darüber im Klaren sein, dass beim Einweichen auch andere wertvolle Nährstoffe ausgeschwemmt werden. Dazu braucht jedes Pferd etwas Zucker, um optimal zu funktionieren. Triff also eine wohlüberlegte Entscheidung, ob du Heu einweichen willst oder nicht.

Ja und nein...

Die größte Zuckerquelle ist Gras

Ja und nein! Es könnte die wichtigste Quelle sein, aber das hängt auch davon ab, wie reichhaltig die übrige Ration ist. Ein Beispiel: Wenn du deinem Pferd große Mengen an zuckerhaltigem Kraftfutter fütterst, kann dies die Hauptquelle für Zucker sein. Bekommt ein Pferd jedoch nur einen Balancer und kein Kraftfutter, kann Gras durchaus die Hauptquelle sein. Der Zuckergehalt von frischem Gras ist höher als der von Heu oder Heulage, da Gras oft jünger ist, wenn es an Pferde verfüttert wird (je jünger das Gras, desto zuckerhaltiger ist es). Der wichtigste Faktor ist jedoch immer die Menge. Daher können keine allgemeinen Aussagen gemacht werden. Man muss sich die Gesamtration des Pferdes ansehen und schauen, welcher Rohstoff oder welches Produkt den höchsten Gesamtzuckeranteil hat.

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Antje Warnecke

Fütterungsberaterin

Dr. Patricia Sitzenstock

Agrarwissenschaftlerin

Pavo

Fütterungsberatung