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Dr. Patricia Sitzenstock
27 juli 2022 Lesezeit 4 Minuten

Fruktan im Gras - Wissenswertes zur Pferdeweide

Was ist eigentlich Fruktan? Bei Fruktan handelt es sich um ein langkettiges Kohlenhydrat, das einer Pflanze als kurzzeitiger Energiespeicher dient. Durch Photosynthese produziert eine Pflanze Energie, welche sie für ihr Wachstum benötigt. Beim Pflanzenwachstum wird diese Energie in das langkettige Strukturkohlenhydrat Zellulose umgewandelt. Kann eine Pflanze jedoch aus einem bestimmten Grund, z.B. durch Kälte oder Wassermangel, nicht wachsen, wird die Energie in Form von Fruktan in der Pflanze zwischengespeichert. Das Fruktan wird dann überwiegend im Stängel der Pflanze eingespeichert, bis der Wachstumsprozess stattfinden kann.

Welche Faktoren beeinflussen den Fruktangehalt von Weidegras? 

Hauptsächlich beeinflussen die Temperatur und Lichtverhältnisse den Fruktangehalt deiner Pferdeweide. Pflanzen benötigen Sonnenlicht, um Photosynthese betreiben und Energie produzieren zu können. Bei Lichtmangel, nachts oder bei bewölktem Himmel, kann demnach also keine Photosynthese stattfinden. Das bedeutet wiederum, dass die Pflanze auch keine Energie produzieren kann, welche als Fruktan zwischengespeichert werden könnte. Ist es jedoch sonnig, kann eine Pflanze Photosynthese betreiben, Energie produzieren und wachsen. Herrschen nun allerdings frostige Temperaturen, wird der Wachstumsprozess der Pflanze gestört. Die Konsequenz: Die produzierte Energie wird als Fruktan eingespeichert, bis das Pflanzenwachstum bei wärmeren Temperaturen fortgesetzt werden kann. Daraus schließt sich, dass der Fruktangehalt im Gras an sonnigen aber gleichzeitig kalten Tagen am höchsten ist. Am niedrigsten ist der Fruktangehalt bei warmem Wetter mit bedecktem Himmel oder Regen. Folgende Tabelle gibt dir eine Übersicht über den Fruktangehalt bei verschiedenen Witterungsbedingungen:

Jahreszeit Wetter Fruktangehalt

Kältere Monate

September bis Mai

Tagsüber: Sonne Sehr hoch
Nachts: Frost (unter 8 Grad)
Tagsüber: Bewölkt Mittel
Nachts: Frost (unter 8 Grad)
Tag + Nacht über 8 Grad Gering
Tag + Nacht unter 8 Grad Hoch

Wärmere Monate:

Mai bis September
Tagsüber: Sonne Mittel
Nachts: warm
Tagsüber: Bewölkt Gering
Nachts: Bewölkt
Tagsüber: Regen Gering
Nachts: Regen
Lange Trockenperiode Hoch

Gute Frage: Dürfen Pferde eigentlich gefrorenes Gras fressen?

Einzig im Hinblick auf die Temperatur, ist gefrorenes Gras ungefährlich für dein Pferd. Dieses taut oft schon beim Kauen auf und erreicht den Magen nicht in Minustemperaturen. Wie allerdings auch oben in der Tabelle abgebildet ist, verfügt gefrorenes Gras (Tag + Nacht unter 8 Grad) über einen hohen Fruktangehalt. Daher ist es vor allem für empfindliche, stoffwechselerkrankte und nicht angeweidete Pferde zu vermeiden. Auch gesunde, angeweidete Pferde sollten gefrorenes Gras lieber nur in geringen Mengen aufnehmen.

Zusätzlich zu den Temperaturen und Lichtverhältnissen, spielt auch die Art des Grases eine Rolle für den Fruktangehalt.  Hier kann z.B. zwischen fruktanarmen und fruktanreichen Gräsern unterschieden werden. Als fruktanarme Gräser gelten beispielsweise Rotschwingel, Knaulgras, Wiesenlieschgras. Fruktanreiche Gräser hingegen sind Wiesenschwingel, Deutsches Weidegras.

Wieso viele Pferdebesitzer Fruktan fürchten 

Einige Pferdebesitzer sehen in Fruktan den Auslöser für viele Krankheiten - und das tatsächlich aus gutem Grund. Zu viel Fruktan kann den Organismus deines Pferdes stark belasten. In erster Linie wirkt sich ein Fruktanüberschuss negativ auf den Verdauungstrakt aus: Fruktan kann von deinem Pferd im Dünndarm nicht vollständig verdaut werden. Dadurch landet es im Dickdarm, wo es dann die empfindliche Darmflora durcheinanderbringt. So entstehen Gase und Toxine, welche zusätzlich die Darmschleimhaut angreifen. Durchfall, Kotwasser und eine allgemeine Schwächung des Immunsystems können dann die Folge sein. Zudem wird die Leber deines Pferdes durch entstandene Toxine belastet, da es an ihr liegt, den Pferdekörper zu „entgiften“. Zu viel Fruktan kann demnach für jedes Pferd zu gesundheitlichen Problemen führen. Besondere Vorsicht ist allerdings bei empfindlichen und übergewichtigen Pferden geboten. Hierzu zählen vor allem Pferde, die unter Cushing, EMS und Hufrehe leiden. Achte auch unbedingt auf ein langsames Anweiden und vermeide plötzliche Futterumstellungen, um den sensiblen Verdauungstrakt deines Pferdes nicht zu überfordern.

Löst Fruktan wirklich Hufrehe aus?

Wie eben beschrieben, kann die Aufnahme von großen Mengen fruktanhaltigem Gras den Magen-Darm-Trakt deines Pferdes stark belasten. Die dadurch entstehenden Gifte können über die Darmwand in den Blutkreislauf gelangen und in den Kapillaren der Huflederhaut eine Entzündung hervorrufen. Demnach stimmt es also, dass zu viel Fruktan Hufrehe (Laminitis) auslösen kann. Grundsätzlich gilt aber wie so oft: Die Menge macht´s. Bekannt ist allerdings, dass empfindliche, übergewichtige Pferde als anfälliger für Hufrehe gelten. Bei ihnen reicht eine vergleichsweise geringe Menge, um einen Reheschub hervorzurufen. Achte bei diesen Pferden daher besonders auf einen niedrigen Fruktangehalt im Weidegras und begrenze den Weidegang.

Sind Pferde nicht von Natur aus dazu gemacht, den ganzen Tag viel Gras zu fressen?

Es stimmt, dass Weidegras einer der Hauptbestandteile auf dem Speiseplan der Wildpferde ist. Allerdings hat sich der Nährstoffgehalt des Weidegrases im Laufe der Jahre geändert. Durch die heutige Milchviehwirtschaft wurden vor allem energie-, protein- und zuckerhaltige Grassorten angebaut, die für Kühe zwar optimal, für Pferde aber eher ungeeignet sind. Wildpferde waren es gewohnt, sich von kargen Weiden mit eher struppigeren Büschen zu ernähren. Das hiesige Grasangebot ist für unsere „Hauspferde“ meist zu üppig und enthält zu viel Fruktan für ihren empfindlichen Verdauungstrakt. Sähst du deine Pferdeweide selbst ein, verwende unbedingt Grassamen speziell für Pferdeweiden mit fruktanarmen Grassorten.

Bewusster Weidegang ist abhängig vom Fruktangehalt

Um deinem Pferd eine unbeschwerte Weidesaison zu ermöglichen, ist es sehr wichtig, den Weidegang vom aktuellen Fruktangehalt abhängig zu machen. Ein angepasstes Weidemanagement kann dir bereits vorab dabei helfen, den Fruktangehalt auf deiner Weide zu beeinflussen:

  • Dünge deine Weide im Frühjahr

Wenn du deine Weide im Frühjahr düngst, fördert dies das Pflanzenwachstum. Wächst die Pflanze schneller, benötigt sie mehr Energie und kann weniger Fruktan zwischenspeichern. Wähle dafür einen Dünger speziell für Pferdeweiden.

  • Auf fruktanarme Grasmischungen achten

Sähst du deine Pferdeweide neu ein? Dann wähle Grasmischungen mit fruktanarmen Grassorten wie z.B. Rotschwingel, Knaulgras, Wiesenlieschgras.

  • Gib abgegrasten Flächen genügend Erholungszeit

Es liegt nah zu denken, dass hohe, satte Pferdeweiden einen höheren Fruktangehalt haben als abgegraste. Allerdings entspricht dies nicht der Wahrheit. Der Fruktangehalt einer Pflanze im Blatt ist geringer als der im Stängel. Demnach nimmt ein Pferd auf einer üppigen Weide pro Kilo Gras weniger Fruktan auf. Eine vertrocknete, abgegraste Weide sieht für uns zwar sehr energiearm aus, speichert jedoch vermehrt Energie als Fruktan ein, da diese aufgrund der Trockenheit nicht für ihr Wachstum verwendet werden kann. Gib trockenen, gestressten Grasflächen daher ausreichend Regenerationszeit, bevor du dein Pferd wieder dort weiden lässt.

Zudem ist es sehr hilfreich, den Weidegang deines Pferdes den jeweiligen Witterungsbedingungen anzupassen. Weide dein Pferd zum Beispiel erst an, wenn die Gräser bereits blühen und das Fruktan, welches sich über die kalten Monate eingespeichert hat, bereits für das Wachstum eingesetzt wurde. Stelle dein Pferd nach kalten Nächten zudem nicht gleich am Morgen auf die Weide. Bei extremer Hitze und Trockenheit ist es außerdem empfehlenswert, die Weidezeit zu verringern, da das Gras hier vermehrt Fruktan einspeichert. Auch im Winter und bei Frost ist die Aufnahme von großen Mengen Gras eher zu vermeiden.

Zusätzlich unterstützen kannst du dein Pferd mit Ergänzungsfuttermitteln für Magen und Darm. Diese bringen die Darmbakterien wieder ins Gleichgewicht und unterstützen so eine gesunde Verdauung. Auch Raufuttersorten mit präbiotischem Effekt können sich positiv auf den Magen-Darm-Trakt deines Pferdes auswirken. Vermeide unbedingt schnelle Futterumstellungen und weide dein Pferd langsam an, um den Verdauungstrakt schonend an ein neues Futtermittel zu gewöhnen.

Ist Fruktan auch im Raufutter enthalten?

Ja, Fruktan ist auch im trockenen Raufutter enthalten. Besonders die Witterungsbedingungen des Schnittzeitpunkts entscheiden hier über den Fruktangehalt. Ein niedriger Fruktangehalt im Raufutter ist vor allem für empfindliche und stoffwechselerkrankte Pferde zu empfehlen. Schneidest du dein Heu selbst, kannst du hier nachlesen, wie du den Fruktan-, bzw. Zuckergehalt im Raufutter niedrig halten kannst.