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Hufrehe durch Zucker und Stärke?

Eine Hufrehe ist eine Erkrankung der Verbindungsschicht zwischen Hornkapsel und Hufbein, also des Hufbeinträgers. Es entsteht eine starke Entzündung der Huflederhaut. Ohne Behandlung führt diese schmerzhafte Entzündung zum Absenken des Hufbeines und letztendlich zum sogenannten „Ausschuhen“.

Warum ein Pferd an Hufrehe erkrankt, ist noch nicht vollständig erforscht und die Ursachen können vielfältig sein. Bekannt ist jedoch, dass Hufrehe oft in Form einer fütterungsbedingten Hufrehe und einer Hufrehe bedingt durch Diabetes bei Pferden entsteht.

Fütterungsbedingte Hufrehe

Bei einer fütterungsbedingten Hufrehe sind die Auslöser die Zuckerarten „Fruktan“ und/oder Stärke – und nicht wie früher angenommen das Eiweiß. Eine ständige Überbelastung mit Zucker und Stärke in der Fütterung, welche den individuellen Bedarf des Pferdes übersteigt, kann somit erhebliche Konsequenzen haben. 

Hufrehe durch Diabetes

Studien zeigen, dass Pferde mit Diabetes – also Pferde, die an einer Insulinresistenz leiden – ein erhöhtes Risiko auf die Entstehung einer Hufrehe haben. Bei einer Insulinresistenz wird der aufgenommene Zucker, trotz einer stark erhöhten Insulinproduktion, nicht in den Zellen eingelagert. Der andauernd hohe Insulinspiegel kann dann eine Hufrehe auslösen.

Zu dicke Pferde, die z.B. unter dem Equinen Metabolischen Syndrom (EMS) leiden, sowie Pferde mit dem Equinen Cushing Syndrom haben oft eine Diabetes als Begleiterscheinung. Diese beiden Erkrankungen gehen daher nicht selten aufgrund der Insulinresistenz und der Freisetzung von entzündungsfördernden Stoffen aus dem Fettgewebe mit Hufrehe einher. Die Hufrehe wird somit letztendlich auch hier durch eine nicht an die Insulinresistenz angepasste Fütterung verursacht.

Welche Rolle spielen Zucker und Stärke bei Hufrehe in der Fütterung 

„Hauptverursacher der fütterungsbedingten Rehe ist nach neuesten Erkenntnissen ein Mehrfachzucker namens Fruktan, der im Gras gebildet wird“, erläutert Futterexperte Vincent Hinnen, Mitglied des Pavo Grooming Teams, ein Service-Team aus Experten, die Pferdebesitzern bei Pavo mit kostenlosem Rat zur Seite stehen. Er stützt sich auf Forschungen des australischen Professors Christopher Pollitt.

Der Mehrfachzucker Fruktan, ein so genanntes Polysaccharid, entsteht durch die Photosynthese – einen Stoffwechselprozess in den Gräsern. Es dient der Pflanze als kurzfristiger Energiezwischenspeicher: produziert die Pflanze überschüssige Energie, die kurzfristig nicht für den Pflanzenwachstum eingesetzt werden kann, wird diese in Form von Fruktan in der Pflanze zwischengelagert.

„Der Zusammenhang zwischen Hufrehe und Eiweiß ist fälschlicherweise hergestellt worden, weil die Krankheit vor allem im Frühjahr auftrat, eine Periode, in der das Gras wächst und viel Eiweiß enthält“, stellt Tierarzt Dr. Jürgen Bartz klar. Der Autor verschiedener Fachbücher ist ebenfalls Mitglied des Pavo Grooming Teams.

Die Folgen eines Fruktanüberschusses beim Pferd

Die Schwankungsbreite des Fruktangehaltes im Gras ist erheblich: Bei kühlem, sonnigen Wetter liegt der Wert bis zu 200x höher als an warmen, wolkenverhangenen Tagen oder Regentagen. Hinnen warnt: „Die höchsten Fruktankonzentrationen sind bei sonnigem, frostigem Wetter zu erwarten, wenn die Temperaturen nachts unter 5 Grad Celsius gefallen sind, wenn die Wiesen nicht mit speziellem Pferdedünger gedüngt werden oder wenn es extrem trocken ist.“

Eiweiß hingegen sei, auch, wenn es saisonbedingt viel aufgenommen wird, kein Problem. Tierarzt Dr. Bartz: „Mit einer zeitlich begrenzten Eiweißüberversorgung kommt das Pferd zurecht. Sie schadet nicht, wenn das Pferd allmählich angeweidet und an die zeitlich begrenzte Spitze gewöhnt wird.“

Problematisch sei etwas anderes, betont Hinnen: „Die Darmflora im Dickdarm kann große Fruktanmengen nicht verarbeiten.“ Tierarzt Dr. Bartz warnt zusätzlich: „Die energiehaltigen Bestandteile in großen Rationen von stärke- und zuckerhaltigem Kraftfutter, insbesondere bei reiner Gerste und Mais, können im Magen und vorderen Dünndarm nicht komplett in ihre Bestandteile zerlegt werden. Sie gelangen teilweise unvollständig verdaut in den Dickdarm.“

Den weiteren Prozess erläutert Hinnen in einfachen Worten: „Die teilweise oder nicht verdaute Masse wird in den Dickdarm geschleust, wo Rohfaser- und Kohlenhydrat-verdauende Bakterien leben. Durch das Überangebot an Kohlenhydraten vermehren sich diese Bakterien explosionsartig und scheiden als Nebenprodukt Milchsäure aus. Dies verändert den pH-Wert von 7 neutral auf bis zu 6 in den sauren Bereich. Das hat ein Massensterben der Rohfaser- und Kohlendrat-verdauenden Bakterien zur Folge. Durch das Absterben entstehen Giftstoffe, so genannte Endotoxine. Gleichzeitig schädigen die sauren Bedingungen die Darmwand. Die Toxine sowie die Milchsäure gelangen in die Blutbahn. Folge: der gesamte Organismus wird langsam übersäuert. Diese Systematik bedingt zudem die weiteren Vorgänge im Huf: eine akute Huflederhautentzündung kann entstehen, die dann die häufig irreversible und schmerzhafte Hufbeinsenkung und -rotation auslösen kann. Mit anderen Worten: Hufrehe kann die Folge eines permanenten Zucker- und Stärkeüberschusses sein.

Wann ist die Gefahr einer Hufrehe durch einen Fruktan-Überschuss am höchsten?

Wie viel Energie in der Pflanze zwischengelagert wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab, unter anderem von der Intensität der Sonneneinstrahlung, Wärme, Tageszeit und Pflanzenart: Sonne mit Wärme bedeuten Pflanzenwachstum und wenig verbleibendes Fruktan im Gras. Sonne und Kälte bewirken eine hohe Photosynthese-Rate, dennoch wächst die Pflanze nicht oder wenig – überschüssige Energie wird in Form von Fruktan (90 %) und Stärke gespeichert.

Rehe-Faktoren // Rehegefahr

Wetterbedingung

Pflanzenwachstum

Sinkende Rehegefahr

Feucht-warmes Wetter mit bedecktem Himmel

Wenig Energieproduktion bei erhöhtem Wachstum und Abbau des Fruktanspeichers

Geringe Rehegefahr

Warmes, trockenes Wetter mit bedecktem Himmel

Wenig Energieproduktion bei geringem Wachstum

Mittlere Rehegefahr

Warmes, trockenes Wetter mit Sonnenschein

Leicht erhöhte Energieproduktion und Fruktanspeicherung bei geringem Wachstum

Hohe Rehegefahr

Kaltes oder frostiges, trockenes Wetter mit bedecktem Himmel

Erhöhte Fruktanspeicherung ohne Wachstum

Sehr hohe Rehegefahr

Kaltes oder frostiges Wetter mit Sonnenschein

Sehr hohe Energieproduktion und sehr hohe Fruktanspeicherung ohne Wachstum


Tipps zur Fütterung bei reheanfälligen Pferden:

  1. Lassen Sie rehegefährdete Pferde an frostigen und zudem sonnigen Tagen nicht direkt morgens auf die Weide. Bei diesem Wetter und zu dieser Tageszeit sind die höchsten Fruktankonzentrationen zu erwarten.
  2. Stellen Sie rehegefährdete Pferde nicht direkt und zu lang auf frisch abgemähte Wiesen. Da in den kurzen Grashalmen Fruktan in wesentlich höheren Konzentrationen gespeichert wird als in den Blättern, nehmen grasende Pferde auf einer frisch abgemähten Weide unter Umständen wesentlich mehr Fruktan auf. Andererseits kann das Pferd bei geringerem Wuchs weniger Gras aufnehmen, was die Rehegefahr senkt. Bevorzugen Sie daher für Ihr Pferd eher eine gut gepflegte Weide mit entsprechend hohem Blattanteil. Dies erreichen Sie auch, indem Sie zum Einsäen oder Nachsäen ausschließlich Grassamen speziell für Pferdeweiden verwenden.
  3. Begrenzen Sie gerade bei rehegefährdeten Pferden zudem die Weidezeit. Stellen Sie Ihrem Pferd dann in der weidefreien Zeit ausreichend Raufutter zur Verfügung. Die lange Kautätigkeit erhöht zum einen die Zufriedenheit Ihres Pferdes und sorgt zum anderen für eine gute Verdauung.
  4. Passen Sie rechtzeitig zur Weidesaison die Fütterung Ihres Pferdes an, um einen Zucker- und Stärkeüberschuss zu vermeiden. 
  5. Sollte Ihr Pferd neben Gras und Raufutter eine zusätzliche Energiequelle benötigen, greifen Sie hier bevorzugt zu zucker- und stärkearmen Futtersorten, wie z.B. Pavo Care4Life oder Pavo Nature´s Best. Auch Pavo SpeediBeet ist ideal zur Fütterung von hufreheanfälligen Pferden und Ponys, denn die Rübenschnitzel enthalten keine Stärke und nur sehr wenig Zucker. Dennoch ist der Energiewert mit dem von Getreide vergleichbar. Als vollwertige Ergänzung von Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen eignen sich bei einer Kraftfutter- reduzierten Fütterung das Pavo SummerFit oder Pavo Vital.

Symptome und erste Hilfe Maßnahmen bei Hufrehe 

Auch wenn die Auslöser unterschiedlich sein können, so zeigen Pferde in den verschiedenen Stadien doch mehr oder weniger bei Hufrehe die gleiche Symptomatik.

Symptome bei Hufrehe:

  • Fühliger Gang und veränderte Haltung: Das Pferd entlastet wegen der starken Schmerzen seine Zehenspitze und belastet überwiegend die Trachten. Das Pferd steht somit etwas nach hinten gelehnt.
  • Sichtbare Lahmheiten: Das Pferd setzt jeden Huf sehr zögernd und vorsichtig zuerst mit den Trachten auf. Auch Wendungen sind bei Pferden mit akuter Hufrehe kaum möglich.
  • Warme Hufe, besonders an der Hufkapsel und der Hufkrone.
  • Starke Pulsation in Höhe des Fesselkopfes.
  • Rehepferde haben oft auch eine (leicht) erhöhte Körpertemperatur oder sogar Fieber aufgrund des Entzündungsprozesses in den Hufen.

Erste Hilfe Maßnahmen bei Hufrehe:

  • Verständigen Sie umgehend Ihren Tierarzt!
  • Kühlen Sie die Hufe und Beine Ihres Pferdes. Dies wirkt für Ihr Pferd sehr erleichternd und lindert außerdem die Schmerzen. Wenn Sie keinen Schlauch mit fließend kaltem Wasser zur Verfügung haben oder Ihr Pferd die Hufe nicht im Eimer stehen lässt, können Sie alternativ auch einen Hufverband anlegen und diesen stetig mit kaltem Wasser aufgießen.
  • Bewegen Sie Ihr Pferd nicht unnötig – jeder Huf-Auftritt ist sehr schmerzhaft.
  • Sorgen Sie für einen besonders weichen Untergrund und für eine dick eingestreute Box.
  • Sollte Ihr Pferd liegen, treiben Sie es nicht panisch auf. Es möchte vermutlich nur kurz seine schmerzenden Hufe entlasten. Geduldigen Sie sich hier bis zur Ankunft Ihres Tierarztes.

Vorbeugende Maßnahmen bei hufrehegefährdeten Pferden:

  • Passen Sie die Fütterung Ihres Pferdes an den tatsächlichen Erhaltungsbedarf an.
  • Ist Ihr Pferd zu dick, sollte es dringend abspecken.
  • Der Energiebedarf Ihres Pferdes sollte in erster Linie über qualitativ hochwertiges Raufutter (Heu) abgedeckt werden. Bei vielen Pferden ist eine zusätzliche Fütterung mit Kraftfutter oft nicht erforderlich. Achtung: der Bedarf an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen muss bei reiner Raufütterung und bei geringer Kraftfuttergabe unbedingt ergänzt werden. Hierzu eignen sich z.B. Pavo SummerFit (kein-wenig Kraftfutter) oder Pavo Vital (wenig Kraftfutter).
  • Verzichten Sie auf „Leckerchen“ wie gezuckerte „Pferde-Bonbons“ oder zu viel Obst und Möhren.
  • Verzichten Sie auf eine stärkehaltige Getreidefütterung (z.B. auf Hafer, Gerste oder Mais).
  • Sollte Ihr Pferd besonders „fühlig“ sein, bevorzugen Sie beim Reiten weiche Untergründe. Eventuell bietet sich auch die Nutzung von Hufschuhen bei Ausritten ins Gelände an – oder es kann sogar ein Hufbeschlag erforderlich sein. Sorgen Sie grundsätzlich auch in der Box und im Paddock für nachgebende, weiche Untergründe.

Die Rehegefahr besteht generell über das ganze Jahr hinweg, schwankt aber entsprechend der Witterung. Zwar sind die Prognosen bei einer frühzeitigen Diagnose und entsprechender Behandlung vielversprechend, aber auch sehr schmerzhaft für Ihr Pferd. Mit einer ganzjährigen bedarfsgerechten Fütterung und Haltung sowohl von gesunden als auch rehegefährdeten Pferden, kann der Entstehung einer Hufrehe sehr gut vorgebeugt werden.

 

Hufrehe durch Zucker und Stärke – Pavo Ratgeber

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Das tägliche Gesundheitsmüsli

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Das tägliche Vitamin- und Mineralbrikett

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Mineralfutter für jeden Tag