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EMS bei Pferden

Ist ein Pferd zu dick, kann dies das Risiko auf die Entstehung von sogenannten Wohlstandkrankheiten erhöhen. Diese Art von Erkrankungen werden auch Zivilisationskrankheiten genannt, weil sie nur bei Pferden in menschlicher Obhut auftreten. Starkes Übergewicht belastet den gesamten Organismus der Pferde. Immer häufiger wird als Folge von starkem Übergewicht auch das Equine Metabolische Syndrom, kurz EMS, bei Pferden diagnostiziert. EMS ist ein klinisches Syndrom, welches den Stoffwechsel des Pferdes wesentlich stört und zu den heutigen Wohlstandskrankheiten gezählt wird.

Warum erkranken Pferde heutzutage häufiger an Wohlstandskrankheiten?

Ursprünglich waren Pferde in Herden lebende Steppentiere, die ihren Alltag mit der Suche nach Futter verbrachten. Die Umgebung bot oft nur karges, faserreiches Futter. Selten fanden Pferde in der freien Wildbahn energiereiches Futter wie frisches Obst oder Getreide. Sie mussten daher täglich weite Strecken zurücklegen, um genügend Futter zu finden.

Die Domestizierung veränderte die Lebensweisen der Pferde. Zunächst wurden sie als Lasten-, Zug- oder Reitpferde genutzt und benötigten für ihre tägliche Arbeit mehr Energie. Neben ausreichend Raufutter wurde der erhöhte Bedarf mit energiereichem Getreide wie Hafer gedeckt. Im Laufe der Zeit sank jedoch das Arbeitspensum der Pferde und die Arbeit wurde weniger anstrengend. Heutzutage sind Pferde überwiegend der beste Freizeitbegleiter des Menschen. Mit Ausnahme der Hochleistungssportler müssen Pferde in Europa eigentlich keine schweren Arbeiten mehr leisten. Sie haben aufgrund der veränderten Haltungsbedingungen somit viel weniger Bewegung, stehen aber auf reichhaltigen Weiden und bekommen zusätzlich Energie über das Kraftfutter. Hierdurch gerät der Energiehaushalt der Pferde schnell aus den Fugen – sie nehmen an Gewicht zu und leiden häufig an Übergewicht. Bereits Übergewicht zählt zu den Wohlstandskrankheiten und begünstigt die Entstehung weiterer Wohlstandskrankheiten, wie EMS.

EMS bei Pferden – Definition und Ursachen

EMS ist die gängige Abkürzung für das Equine Metabolische Syndrom, eine häufig diagnostizierte Wohlstandskrankheit bei Pferden. EMS ist eine Stoffwechselerkrankung und wird als Symptomkomplex definiert. Ein Auslöser dieses Symptomkomplexes kann starkes Übergewicht bei Pferden sein, welches durch ein Ungleichgewicht in der Fütterung und Haltung entsteht: zu viel Energie aus dem Pferdefutter und zu wenig Bewegung.

Davon sind besonders häufig Robustpferde- und Ponyrassen wie z.B. Islandpferde oder Shetlandponys betroffen. Die leichtfüttrigen Pferderassen sind in ihren Ursprungsländern karges Futter gewöhnt und benötigen in ihrer täglichen Fütterung viel weniger Energie als andere Pferderassen.

Bei gesunden Pferden mit einer bedarfsgerechten Fütterung und ausreichend Bewegung steigt der Glukosespiegel bzw. Blutzucker bei der Futteraufnahme an und wird durch das Hormon Insulin aber wieder schnell gesenkt. Dabei werden die Zuckermoleküle (Glukose) aus dem Blut in die Zellen transportiert und als Energie während einer körperlichen Anstrengung verarbeitet.

Starkes Übergewicht und fehlende Bewegung beeinträchtigen diesen Glucosestoffwechsel hingegen negativ. Durch das Futter-Überangebot steigt der Glukosespiegel im Blut deutlich an, was eine erhöhte Insulinausschüttung hervorruft. Hält diese hohe Insulinausschüttung längerfristig an, führt dies zu einer ansteigenden Insulinresistenz in den Zellen. Das Insulin kann somit seine eigentliche Funktion, den Transport von Glukose aus dem Blut in die Körperzellen, nicht mehr (ausreichend) ausführen.

Die eingeschränkte Insulineinwirkung auf die Zellen verursacht einen erhöhten Glukosespiegel, so dass ein hoher Glukoseanteil in den Blutgefäßen verbleibt. Dies hat folgende Konsequenzen:

  1. Eine hohe Konzentration von Glukose im Blut schädigt langfristig das Gewebe. Diese Schädigung spiegelt sich bei EMS in erster Linie in den Hufen wieder – eine Hufrehe entsteht.
     
  2. Die Insulinresistenz führt zu erhöhten Insulinausschüttungen und großen Insulinmengen im Blut (Diabetes), welche ebenfalls die Entstehung von Hufrehe begünstigen.
     
  3. Die überschüssige Energie (Glukose) wird von den Fettzellen aufgenommen. Diese arbeiten insulinunabhängig, so dass die Fettzellen deutlich größer werden als normal. Hierdurch entstehen die für EMS typischen Fettdepots am Mähnenkamm, über den Augen, an der Brust sowie am Nacken.
     
  4. Durch die Verfettung werden vermehrt Botenstoffe in den Fettzellen gebildet, die zu Entzündungen im ganzen Pferdekörper führen können. Eine häufige Entzündungsform ist hierbei auch wieder die Hufrehe.
     
  5. Die Schmerzen, verursacht durch Hufrehe oder andere Entzündungen, lösen als Reaktion eine vermehrte Ausschüttung des Stresshormons Kortisol aus. Dies hat bekanntermaßen eine Verstärkung der Insulinresistenz zur Folge. So entsteht ein scheinbar unaufhaltsamer Teufelskreis.

Sorge daher dafür, dass dein Pferd nicht übergewichtig wird und es erst gar nicht in diesen Teufelskreis gelangt. Wichtig ist eine ideale Energiebilanz bei deinem Pferd, d.h. eine optimale Balance zwischen Energieaufnahme und Energieverbrauch.

Du benötigst Hilfe bei der Futterumstellung deines dicken Pferdes? Dann kontaktiere unsere Pavo Fütterungsberatung. Wir beraten dich gern und begleiten dich bei der Gewichtsreduzierung deines Pferdes. Sollte dein Pferd bereits erste Anzeichen von EMS zeigen, sind eine genaue Diagnose durch deinen behandelnden Tierarzt sowie eine schnelle und optimale Behandlung äußerst wichtig.

Achtung! Bei einer EMS Erkrankung ist eine medikamentöse Behandlung mit Cortison nicht nur kontraproduktiv, sondern auch schädlich für dein Pferd, denn aufgrund der Schmerzen produziert der Pferdekörper bereits vermehrt Kortisol. Kortisol fördert die Insulinresistenz. Gehe daher gemeinsam mit deinem Tierarzt bei Begleiterscheinungen wie Hufrehe und Diabetes bei deinem übergewichtigen Pferd gut auf Ursachenforschung, bevor mit einer Medikamentengabe gestartet wird.

Typische Symptome und Diagnose von EMS bei Pferden 

EMS zeigt sich bei Pferden nicht plötzlich, sondern ist eine sehr schleichende Erkrankung. Die Symptome werden besonders in der Anfangsphase schnell übersehen oder nicht richtig erkannt. Darüber hinaus ist EMS ein Symptomkomplex und zeigt daher viele, variierende Krankheitsbilder. Das Risiko einer fehlerhaften oder unvollständigen Diagnose erhöht sich hierdurch.

Die Fetteinlagerungen am Mähnenkamm, über den Augen, an der Brust und am Nacken sind für EMS charakteristisch und auffallend. Neben den markanten Fettpolstern können bei EMS die folgenden Symptome auftreten:

  • Leistungsverlust, dein Pferd wirkt müde, träge und verliert an Ausdauer.
  • Muskelabbau durch unzureichende Bewegung, dein Pferd wirkt durch die Fettpolster aber immer noch „gut genährt“.
  • Steife Bewegungen, ähnlich wie beim Kreuzverschlag.
  • Das Fell- und Haarkleid wirkt deutlich stumpfer.
  • Schnelles und starkes Schwitzen, schon bei leichter Arbeit.
  • Vermehrter Flüssigkeitsbedarf kombiniert mit häufigem Urinieren.
  • Steigendes Infektionsrisiko durch den erhöhten Glukosespiegel im Blut.
  • Symptome einer Hufrehe durch den gestörten Glukosestoffwechsel.
  • Kotwasser tritt häufiger auf.
  • Symptome einer Diabetes Typ 2 durch die entstehende Insulinresistenz.
  • Stuten können eine Fruchtbarkeitsstörung aufweisen.

Leidet dein Pferd an Übergewicht und zeigt zudem mindestens eins der oben aufgeführten Symptome, solltest du unbedingt deinen Tierarzt zu Rate ziehen.

Diagnose von EMS bei Pferden

Die Symptome können auf vielfältige Stoffwechselkrankheiten, Infekte oder Viren hinweisen und müssen nicht immer die Folge von EMS sein. Besonders das Equine Cushing Syndrom (PPID) wird im Anfangsstadium häufig mit EMS verwechselt. Dennoch ist es wichtig, eine EMS Erkrankung in Betracht zu ziehen, wenn dein Pferd an Übergewicht leidet und zudem mindestens ein weiteres EMS typisches Symptom zeigt.

Die Diagnose erfolgt über eine Beurteilung der gezeigten Symptome und über bestimmte Blutuntersuchungen. Dabei werden die Blutwerte des Pferdes vor allem auf einen erhöhten Insulin-Spiegel und einen erhöhten Blutfettwert untersucht. Blutuntersuchungen werden auf nüchternen Magen durchgeführt, denn so sind die Insulin- und Glukosewerte am aussagekräftigsten und werden nicht durch den Nährstoffgehalt des Futters verfälscht. Es wird empfohlen, einen Bluttest im Verdachtsfall mindestens einmal innerhalb von 3 Wochen zu wiederholen. Einige Bluttest-Werte werden von unterschiedlichen Faktoren wie die allgemeine körperliche Verfassung, Stress, die Jahreszeit oder andere Krankheiten beeinflusst und können bei einer einmaligen Durchführung falsch interpretiert werden. Vertraue dabei deinem Tierarzt und lasse dir bei der Diagnose Zeit.

Behandlung von EMS bei Pferden 

EMS bei Pferden ist behandelbar, wenn die ersten Anzeichen des Symptomkomplexes frühzeitig erkannt werden und du mit Geduld und Disziplin die Situation deines Pferdes optimierst. Bei der Behandlung hat eine Optimierung der Fütterungs- und Haltungsbedingungen oberste Priorität.

An erster Stelle steht das Abspecken der überflüssigen Pfunde. Unterziehe deinem Pferd aber keine Radikaldiät, sondern lasse die Kilos ausgewogen purzeln. Biete deinem Pferd ausreichend energiearmes Raufutter, um eine gesunde Verdauung zu fördern. Ergänze das Raufutter mit einem vollwertigem Mineralfutter mit einem sehr geringen Zucker- und Stärkegehalt. Bist du dir über den Energiegehalt deines Raufutters unsicher? Dann führe am besten eine Raufutteranalyse durch.

Füttere nur zusätzlich zum Raufutter ein Kraftfutter, wenn dein Pferd diese Energie auch wirklich benötigt. Wähle dann ein energiearmes Kraftfutter, welches auch für Robustpferderassen empfohlen wird. Üblicherweise decken Freizeitpferde ihren Bedarf an Energie jedoch bereits mit einer ausreichenden Ration an Raufutter.

Genau wie bei uns Menschen bilden auch bei Pferden eine gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung eine ideale Kombination, um die Pfunde langfristig purzeln zu lassen. Biete deinem Pferd daher genügend Auslauf und stelle einen abwechslungsreichen Trainingsplan zusammen. Wie bei der Fütterungsumstellung gilt auch hier: Gewöhne dein Pferd mit Bedacht an die Bewegung. Besonders bei Pferden, die sich vorher kaum bewegt haben und stark übergewichtig sind, ist Geduld ein wichtiger Punkt. Durch das Übergewicht sind das Herz-Kreislauf-System und der Bewegungsapparat bereits belastet. Neue Bewegungsabläufe können dein Pferd schnell überfordern. Am Anfang bieten sich z.B. kurze Spaziergänge an, die pro Woche dann immer um ca. 10 Minuten verlängert werden. Sobald dein Pferd ein paar Kilos verloren hat und wieder fitter wird, kannst du mit ihm einen schönen Ausritt planen, Longiereinheiten integrieren oder ein paar weitere Bodenarbeitsübungen durchführen.

5 Tipps zur Vorbeugung von EMS bei Pferden 

Damit es erst gar nicht zu EMS kommt, ist eine optimale Prävention das A und O. Hier sind 5 Tipps, wie du das Risiko von EMS bei deinem Pferd senkst:

1. Raufutter als Grundlage

Die tägliche Fütterung deines Pferdes sollte zu 70 bis 100 % aus bestehen. Die Rohfasern beschäftigen dein Pferd, stimulieren die Speichelproduktion und sind gut für das gesamte . Da sich Pferde den gesamten Tag mit Kauen und Fressen beschäftigen, ist rohfaserhaltiges Raufutter das optimale Futtermittel.

Achte dabei auf ein qualitativ-hochwertiges, aber energiearmes Raufutter. Führe unseren durch, wenn du dir über die Qualität deines Raufutters unsicher bist. Ist dein Raufutter nur von mäßiger Qualität, biete deinem Pferd alternativ an.

2. Berücksichtige den tatsächlichen Energiebedarf deines Pferdes

Gib deinem Pferd nur zusätzlich ein Kraftfutter, wenn es tatsächlich einen erhöhten Bedarf hat. Sportpferde haben in der Regel einen höheren Energiebedarf als Freizeitpferde. Aber auch dieser Bedarf kann sich je nach Trainingsphase ändern. Behalte hier das Gewicht deines Pferdes immer gut im Blick: verliert es an Gewicht oder nimmt nicht ausreichend an Muskelmasse zu, benötigt es mehr oder ein anderes Kraftfutter. Nimmt es an Gewicht zu, muss die Kraftfuttermenge reduziert oder die Sorte gewechselt werden. Zu viel Energie aus Kraftfutter belastet den Stoffwechsel deines Pferdes. Beachte, dass Robustpferde wie Isländer weniger Energie benötigen. Wenn dein Pferd dennoch Kraftfutter benötigt, biete ihm spezielles, energiearmes Kraftfutter, wie z.B. Pavo Liga, an.

3. Mineralfutter für eine ausgewogene Versorgung

Bei einer reinen Raufutter-Fütterung oder geringer Kraftfuttergabe, ist der Zusatz eines vollwertigen Mineralfutters empfehlenswert, um eine optimale Versorgung an wichtigen Vitamine, Mineralstoffen und Spurenelementen sicherstellen zu können. Mit oder nimmt dein Pferd genügend essentielle Nährstoffe auf – ganz ohne zusätzliche Energie.

4. Denke über eine Offenstallhaltung nach

Eine Offenstallhaltung im Herdenverband bietet deinem Pferd deutlich mehr natürlichen Bewegungsfreiraum. Die Wege zu den Futter- und Wasserstellen sowie den Unterstellmöglichkeiten sind weiter, so dass dein Pferd – wie früher – täglich längere Strecken zurücklegen muss, als bei einer reinen Boxenhaltung.

5. Bewegung, Bewegung, Bewegung!

Bewegung ist für Pferde die Hauptsache. Halte dein Pferd tendenziell eher schlank und fit. Durch Bewegung bleibt dein Pferd agil und setzt nicht so schnell an. Schon ein paar kleine, tägliche Trainingseinheiten, wie z.B. ein Spaziergang, ein Ausritt oder Lektionen auf dem Reitplatz, bringen dein Pferd in Bewegung und kurbeln den Stoffwechsel an. Und gleichzeitig erlebst du mit deinem Pferd eine schöne, gemeinsame Zeit!

 

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